Apothekerkammer Schleswig-Holstein

Netzwerke werden immer wichtiger

Kiel - 19.06.2014, 13:30 Uhr


Etwa 70 Gäste aus der Landespolitik, anderen Heilberufen und den Medien nahmen gestern am politischen Sommerabend der Apothekerkammer Schleswig-Holstein in Kiel teil. Die Veranstaltung stand im Zeichen der Netzwerke, die für eine erfolgreiche Gesundheitsversorgung zunehmend wichtig erscheinen. Kristin Alheit (SPD), Sozial- und Gesundheitsministerin des Landes Schleswig-Holstein, zeigte wie in den Vorjahren viel Verständnis für die Belange der Apotheker.

Gerd Ehmen, Präsident der Apothekerkammer Schleswig-Holstein, konstatierte in seiner Begrüßung eine Trendwende, die auf die Versorgung erheblichen Einfluss nehmen werde. Obwohl genügend Apotheker und Ärzte ausgebildet würden, lasse das Interesse an der Berufstätigkeit in einer eigenen Apotheke oder Praxis nach. Jeden Tag schließe in Deutschland eine Apotheke – darunter mittlerweile auch wirtschaftlich stabile Betriebe, die keinen Nachfolger finden, so Ehmen. Die Ursachen sieht er in den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. „Wenn die Gesundheitsversorgung verlässlich sein soll, braucht sie planbare Grundlagen“, so Ehmen. Zugleich betonte Ehmen die Leistungsfähigkeit der wohnortnahen Apotheken. Das System solle nicht von der Patientennähe abrücken und Patienten nicht in eine telefonische Warteschleife schicken. Vielmehr forderte Ehmen die Politiker auf, Konzepte vorzulegen, die junge Menschen zu einer Berufswahl in der Patientenversorgung ermutigen. Außerdem erklärte Ehmen: „Die Versorgung kranker Menschen muss in einem Netzwerk stattfinden.“ Das Schnittstellenmanagement müsse verbessert werden, um Reibungsverluste zu vermeiden.

Gesundheitsministerin Kristin Alheit würdigte in ihrem anschließenden Grußwort die herausragende Rolle der Apotheken im Gesundheitswesen und insbesondere ihre Lotsenfunktion. Schließungen von Apotheken und die Probleme bei der Nachfolgersuche betrachte sie als Teil eines umfassenden Strukturwandels mit Abwanderung aus dem ländlichen Raum und geringerer Bereitschaft zum Unternehmertum. Es sei wichtig, einzelne Rahmenbedingungen der Apotheken zu betrachten, aber sie könne kein Massensterben von Apotheken feststellen. Es helfe nicht, die Landflucht und den demografischen Wandel zu beklagen, sondern es müsse gemeinsam an neuen Strukturen gearbeitet werden, forderte die Ministerin. Dazu gehöre insbesondere die Vernetzung. Es entstünden neue Gesundheitszentren, in denen sie sich auch Apotheken gut vorstellen könne, so Alheit. Zugleich sei es wichtig, eine flächendeckende wohnortnahe Versorgung vorzuhalten. Da dies auch die Nachtzeit betreffe, sei sie froh über das neue Nachtdiensthonorar, das Apotheken im ländlichen Raum entlaste. Alheit würdigte den großen Frauenanteil im Apothekerberuf. Um die Belastungen der Selbstständigkeit mit anderen Ansprüchen von Frauen vereinbaren zu können, regte sie an, die Selbstständigkeit als offene Handelsgesellschaft (oHG) zu organisieren und Verantwortung zu teilen.


Dr. Thomas Müller-Bohn


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