DAZ.online Wochenschau

Getestet und geprüft

24.05.2014, 08:00 Uhr


Stiftung Warentest testet diesmal keine Apotheken, sondern Präparate aus der Apotheke, das Apothekentesten übernimmt die Bayerische Landesapothekerkammer und die Prüfung des Nutzen-Risiko-Profils von Ambroxol nimmt seinen Lauf. Mehr dazu in unserer Wochenschau.

Präparate im Warentest. Stiftung Warentest hat Repellents und Hämorrhoidenmittel unter die Lupe genommen. Den besten Schutz vor Mücken bietet der Wirkstoff Diethylltoluamid (DEET). Allerdings kann die Substanz Augen und Schleimhäute reizen. Icaridin gilt in ausreichender Konzentration als ähnlich effektiv wie DEET. Es wirkt zwar im Durchschnitt etwas kürzer, wird aber als besser verträglich eingestuft. Mangelhaften Mückenschutz bieten Präparate, die ausschließlich ätherische Öle enthalten. Zur spezifischen Behandlung von akuten Hämorrhoiden-Beschwerden sind laut Stiftung Warentest  nur die Lokalanästhetika-haltigen Präparate mit Lidocain oder Quinsocain geeignet. Bei allen anderen Präparaten sei die Wirkung nicht ausreichend belegt.

Ambroxol auf dem Prüfstand. Nachdem aufgrund vermehrter Berichte über schwere allergische Reaktionen eine Überprüfung des Nutzen-Risiko-Profils Ambroxol- und Bromhexin-haltiger Produkte auf europäischer Ebene angestoßen wurde, sind nun die Zulassungsinhaber gefragt. Ein Fragenkatalog soll unter anderem klären, in welchem Umfang die Präparate in welchen Altersgruppen eingesetzt worden sind. Insbesondere bei Kindern wird ein negatives Nutzen-Risiko-Profil befürchtet.

Keine Evidenz für Expektoranzien. Zu der Aufregung um das europäische Bewertungsverfahren gibt es weitere schlechte Nachrichten für Ambroxol: Zu Therapieeffekten von Expektoranzien wie Ambroxol oder ACC bei akutem Husten gibt es nach Ansicht der Autoren der aktualisierten S3-Leitlinie „Akuter Husten“ keine Evidenz. Eine Therapie mit Expektoranzien ist daher in ihren Augen nicht notwendig.

Wirkstoffe für die Liste. Der G-BA hat weitere Wirkstoffe ausgemacht, bei denen in Zukunft ein Austausch nach aut idem nicht mehr möglich sein wird. Der Beschlussentwurf sieht unter anderem Herzglykoside und Schilddrüsenhormone für die Substitutionsausschlussliste vor.

Mehr pharmazeutische Bedenken. Laut einer Auswertung des Deutschen Arzneiprüfungsinstituts (DAPI) nahm die Dokumentation pharmazeutischer Bedenken insgesamt zu, dennoch könnte von der Sonderziffer 6 „noch mehr Gebrauch“ gemacht werden.

Apotheken im Test. Bei Testkäufen der Bayerischen Landesapothekerkammer verweigerten 94 von 1065 (8,8 %) der Apotheken die Herstellung einer Rezeptur. Bei der Beratungsleistung war von „umfassend“ bis „keine Beratung“ alles geboten. Dabei fiel auf: die Beratung zum Interaktionspotenzial von Marcumar und ASS fiel insgesamt besser aus als die OTC-Beratung bei Husten.

Neue Festbeträge. Ab 1. Juli gelten unter anderem für Sartane, Betablocker, Statine, Protonenpumpenhemmer und Triptane neue, abgesenkte Festbeträge. Falls die Hersteller, wie sie es beispielsweise für Sartane bereits angekündigt haben, ihre Abgabepreise nicht senken, müssen GKV-Patienten ab dem 1. Juli bei einigen Präparaten die Differenz des Abgabepreises zum Festbetrag aus eigener Tasche bezahlen.

Impfstoff-Rabattverträge. Die gesetzlichen Kassen möchten an ihnen festhalten, Impfstoffhersteller und Apotheker wollen sie gänzlich verbannen. Der Mittelweg der Regierungskoalition, der gesetzlich regeln soll, dass Krankenkassen diese Rabattverträge künftig nur noch mit mindestens zwei Herstellern pro Region schließen dürfen, macht am Ende keinen glücklich.

Gefälschtes Somatotropin. In einer Berliner Apotheke ist gefälschtes Norditropin® SimpleXx® aufgetaucht. Wirkstoffgehalt und Konservierungsstoffe stimmen nicht mit der Deklaration überein, zudem enthält es laut AMK-Mitteilung Verunreinigungen. Laut Hersteller Novo Nordisk gibt es keine Hinweise darauf, dass gefälschte Produkte in die legale Vertriebskette gelangt sind.


Julia Borsch


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