Tiefenpsychologische Umfrage zur Naturmedizin

Patienten erwarten kompetente Beratung

Berlin - 22.05.2014, 11:00 Uhr


Naturmedizin liegt im Trend – das haben repräsentative Umfragen in den letzten Jahren immer wieder gezeigt. Aber was macht die Menschen so aufgeschlossen für die Naturmedizin? Und was erwarten sie von Apothekern, Ärzten oder Heilpraktikern? Diesen Fragen ist das Rheingold Institut Köln im Auftrag des Naturarzneimittel-Herstellers Pascoe nachgegangen. Eine Erkenntnis der Studie: Diese Patienten wünschen auch von Apothekern Offenheit gegenüber der Naturmedizin – und Kompetenz.

Auch wenn die meisten Bundesbürger die Schulmedizin keinesfalls verteufeln: In vielen Fällen ziehen sie sanfte Methoden und menschliche Berührung der Chemie und Apparatemedizin vor. Jedenfalls wünschen sie sich ein gleichberechtigtes Nebeneinander beider Welten. Für diese Einstellung wollen die Menschen allerdings nicht belächelt werden – sie suchen vielmehr Information mit Hand und Fuß. Sei es durch eigene Recherche im Internet oder von kompetenten Apothekern und Ärzten, mit denen sie auf Augenhöhe kommunizieren können. Dies ist eines der wesentlichen Ergebnisse der neuen Pascoe-Studie, für die 50 Männer und Frauen ausgiebig tiefenpsychologisch befragt wurden. Zudem wurden 18 Apotheker/PTA, 18 Ärzte und neun Heilpraktiker zum Umgang mit Naturarzneien befragt. Pascoe ging es nicht um repräsentative Daten, sondern darum, zu verstehen, was die Naturmedizin so beliebt macht.

Wie die Studie weiter zeigt, gibt es verschiedene Patiententypen, mit denen auch unterschiedlich umzugehen ist. Am häufigsten sind wohl jene, die Naturmedizin als „sanften Begleiter“ verstehen. Sie wollen sich aufgehoben fühlen und suchen nach multipler Zuwendung – diese kann auch eine Apotheke optimal bieten. Es geht ums Zuhören, Verständnis und Trost. Anders sieht es bei dem Typ aus, den die Studie als „Heilwerker“ bezeichnet: Ein emanzipierter Patient, für den der Apothekenbesuch vergleichbar ist mit dem Besuch eines Baumarktes. Für ihn ist die Naturmedizin ein vielseitiger und kreativer Lieferant. Er glaubt nicht, dass er noch Unterstützung aus der Apotheke oder eines Arztes nötig hat. Wieder andere Patienten sind eher esoterisch angehaucht und suchen Mittel, die ihren Energiefluss anregen, andere setzen sehr auf Sinnlichkeit (Dufttherapie, Klangschalen). Insgesamt sechs Typen benennt die Studie – und alle sehen die Naturmedizin etwas anders.

Die befragten Patienten machten allerdings allesamt deutlich: Sie erwarten, dass die Naturmedizin Einzug in die Apotheken hält. Noch schienen sich Apotheker vielfach dagegen zu sträuben. Solche, die sich auch in Bereichen abseits der Schulmedizin auskennen, werden als Geheimtipp gehandelt. Ihre naturmedizinischen Kenntnisse verdanken sie dabei weniger ihrer Ausbildung, als ihrem persönlichen Interesse und ihrer privaten Fortbildung.

Der Studie zufolge nehmen die Apotheker ihre Defizite in diesem Bereich wahr – vielfach brauchen sie selbst Orientierung und Beratung. Um den Patienten eine passgenaue Behandlung und Hilfe zukommen zu lassen, wünschen sie sich eine Vereinfachung in der als kleinteilig empfundenen Welt der Naturmedizin – das gilt übrigens auch für Ärzte. Beide Berufsgruppen vermissen zudem einen klaren Bezug zu hergebrachten, „schulmedizinischen“ Krankheitsbildern. Zugleich erkennen immer mehr Apotheken die Naturmedizin als Kundenbindungsinstrument und Möglichkeit, ihren Verkauf zu steigern.

Ein Fazit der Studie: Der Wunsch nach Naturmedizin ist nicht nur ein Trend – er hat sich in der Erwartungshaltung der Patienten mittlerweile fest etabliert.


Kirsten Sucker-Sket


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