Landgericht Stuttgart

Omeprazol-Fälschungen vor Gericht

Berlin - 13.05.2014, 11:52 Uhr


Am Landgericht Stuttgart hat am Montag der Prozess um massenhaft gefälschtes Omeprazol begonnen. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart wirft den beiden Angeklagten – von denen einer studierter Pharmazeut ist – den Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz vor. Sie sollen über 600.000 Packungen unter falscher Markenbezeichnung vertrieben und einen Umsatz von über 14 Millionen Euro gemacht haben.

Die Anklage wirft den beiden 55 und 51 Jahre alten Männern – laut „Stuttgarter Zeitung“ (SZ) sind sie Brüder, von denen einer studierter Pharmazeut ist, – vor, dass sie den Wirkstoff über Jahre hinweg bei einer spanischen Firma herstellen ließen und ihn in Deutschland in zuvor erworbene Fläschchen füllten. Die Behältnisse sollen dann nahe Hamburg mit Etiketten, Beipackzetteln und Verpackungen bekannter Pharmaunternehmen versehen worden sein, die wiederum zuvor von einer Druckerei mittels Einscannen und Vervielfältigung der Originale hergestellt und von den Angeklagten mit Chargennummern und Verwendbarkeitsdaten versehen wurden.

Die Zusammensetzungen bzw. -kennzeichnungen der Fälschungen entsprachen laut Anklage nicht den Originalen und wurden zudem unter Unterschreitung vorgeschriebener Hygienestandards verpackt – gleichwohl sollen sie „einem hohen industriellen Standard entsprochen“ haben. Zwischen Mai 2008 und Februar 2013 soll in 219 Fällen unter vier verschiedenen Firmenbezeichnungen ein Darmstädter Zwischenhändler beliefert worden sein, welcher die Ware für Originalprodukte gehalten und an Arzneigroßhändler veräußerte, von wo aus sie an Apotheken und Endabnehmer gelangten. Insgesamt sollen die Angeklagten so über 600.000 Packungen für rund 15 Millionen Euro verkauft haben – ihnen selbst blieben davon angeblich rund 14 Millionen Euro.

Die SZ berichtet vom ersten Verhandlungstag, der ältere Bruder, Pharmazeut und Strippenzieher, habe die Vorwürfe eingeräumt. „Überrascht und schockiert“ sei er gewesen, so der 55-Jährige, dass es keine Sicherung gebe. Er habe weder Nachweise noch Zulassungen vorzeigen müssen. Zunächst hatte er eine eigene Apotheke, bis unglückliche Anlagespekulationen ihn in die Insolvenz trieben. Nach verschiedenen Jobs in seiner Branche habe er „einfach mal antesten wollen“, ob es möglich sei, eine vollständige Kopie eines Medikaments herstellen zu lassen und über Apotheken zu verkaufen, schreibt die SZ. Dabei reagierte er auch auf die jeweiligen Marktbedingungen: Entscheidend war, welches Produkt jeweils von den Krankenkassen den Zuschlag für einen Rabattvertrag bekam.


Juliane Ziegler


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