DAV-Wirtschaftsforum

Typische Apotheke adé: ABDA stellt Statistik um

Berlin - 07.05.2014, 12:00 Uhr


Auf Druck der Politik stellt die ABDA ihre statistische Grundlage zur Präsentation der wirtschaftlichen Entwicklung gegenüber der Politik und Öffentlichkeit um: Das bislang verwendete Konstrukt der „typischen Apotheke“ wurde ausrangiert. Für den aktuellen DAV-Wirtschaftsbericht wurde nach über 20 Jahren erstmals die „Durchschnittsapotheke“ verwendet. Das führt optisch zu einem positiveren Ergebnis.

„Der Wechsel ist in nicht unerheblichem Maße den Erfahrungen des Jahres 2012 geschuldet. Damals hat der DAV mit den Bundesministerien für Wirtschaft und Gesundheit über die erstmalige Erhöhung der Apothekenentgeltung nach Umstellung der Arzneimittelpreisverordnung geredet. Hierbei wurde dem DAV vorgehalten, seine Darstellung der Zahlen der ‚typischen‘ Apotheke verfälsche die Wirklichkeit, da viele wirtschaftlich erfolgreiche Apotheken außer Acht gelassen würden“, so Karl-Heinz Resch, ABDA-Geschäftsführer Wirtschaft, Soziales und Verträge zur Begründung.

Letztlich habe sich der DAV vor diesem Hintergrund entschlossen, den an ihn herangetragenen Wünschen entsprechend eine neue Datengrundlage zu schaffen. Das neue ABDA-Datenpanel umfasst zurzeit auf Basis von Zahlen der Treuhand Hannover GmbH über 2.500 verschiedene Betriebsstätten – aus allen Bundesländern, aus allen Größenklassen, Einzel-, Haupt- und Filialapotheken. Die betriebswirtschaftlichen Zahlen entstammen der Finanzbuchhaltung des jeweiligen Betriebs. Die Daten des ABDA-Datenpanel seien mithin aussagekräftig genau über das relevante Objekt: die betriebswirtschaftliche Situation der jeweiligen Apothekenbetriebsstätte im jeweiligen Berichtsjahr, hier also im Jahr 2013. Resch: „Sie beinhalten dementsprechend die wirtschaftlichen Folgen des Kompromisses zum GKV-Abschlag genauso wie die erste Auszahlung der Nacht- und Notdienstpauschale und veränderte Einkaufskonditionen.“

Die bisherige „typische“ Apotheke befand sich in der Netto-Umsatzgrößenklasse, in der die meisten Betriebsstätten liegen. Im Jahr 2013 ist dies der Bereich von 1,25 bis 1,5 Millionen Euro, in der ungefähr 14 Prozent aller Apothekenbetriebsstätten liegen. Für das neue ABDA-Datenpanel liegt der durchschnittliche Netto-Umsatz im Jahr 2013 hingegen bei 1,887 Millionen Euro und damit deutlich höher. Mit dem Wechsel in der Betrachtung von der typischen hin zur durchschnittlichen Apotheke werden die umsatzstarken Apotheken stärker berücksichtigt.

Im  Jahr 2013 sei der Anteil des Wareneinsatzes am Netto-Umsatz der durchschnittlichen Apotheke seit Jahren erstmals wieder gesunken – auf 74,5 Prozent. Neben den verschiedenen Faktoren – erstmalige Anpassung der Arzneimittelpreisverordnung, Regelung zum GKV-Apothekenabschlag, Nacht- und Notdienstpauschale – fänden hier auch die verbesserten Einkaufskonditionen der Apotheken beim pharmazeutischen Großhandel ihren Niederschlag. Diese Aspekte würden auch im steuerlichen Betriebsergebnis abgebildet. Dieser Wert sei im Zeitraum von 2002 bis 2012 um circa ein Drittel auf 5,7 Prozent gesunken, um dann im Jahr 2013 auf 6,6 Prozent anzusteigen.  Auch bei Ausweis des steuerlichen Betriebsergebnisses der durchschnittlichen Apotheke in Euro zeigt sich für das Jahr 2013 eine deutliche Verbesserung gegenüber den unmittelbaren Vorjahren. „Bei oberflächlicher Betrachtung könnte man sogar sagen, mit 124.393 Euro habe das Betriebsergebnis ein Allzeit-Hoch erreicht“, so Resch. Es sei aber zu beachten, dass diese Betriebsergebnisse Nominalwerte seien. Inflationsbereinigt liege das steuerliche Betriebsergebnis der durchschnittlichen Apotheke im Jahr 2013 immer noch deutlich unter den entsprechenden Werten früherer Jahre. Es liege beispielsweise noch um mehr als 7000 Euro unter dem des Jahres 2002.


Lothar Klein


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