WIdO-Statistik

Beim Arzneiverbrauch ist der Osten Spitze

Berlin - 29.04.2014, 14:16 Uhr


Die von Ärzten verordneten Arzneimittelmengen sind in den vergangenen Jahren beständig angestiegen. Nach einer aktuellen Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hat die Zahl der verordneten Tagesdosen in den letzten zehn Jahren um nahezu die Hälfte zugenommen (+48,3 %). Durchschnittlich 546 Tagesdosen erhielt jeder GKV-Versicherte 2013 – im Jahr 2004 waren es noch 364.

Insgesamt 642 Millionen Arzneimittelpackungen mit 38,1 Milliarden Tagesdosen bekamen die knapp 70 Millionen GKV-Versicherten 2013 ärztlich verordnet. Rein statistisch kommt damit jeder Versicherte auf täglich 1,5 Arzneimittel. Die tatsächliche Verteilung sieht selbstverständlich anders aus. Unbeantwortet lässt die Statistik zudem, wie viele der verordneten Medikamente tatsächlich eingenommen werden. 

Die meisten Verordnungen gab es in den östlichen Bundesländern: In Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg summierten sich die Tagesdosen pro Versicherten im letzten Jahr auf mehr als 700. In Sachsen-Anhalt erhält jeder gesetzlich Versicherte etwa 30 Prozent mehr Arzneimittel verordnet als im Bundesdurchschnitt (712). Am hinteren Ende der Bundesländer-Rangliste liegt Bremen mit 424 Tagesdosen, also rund 30 Prozent weniger als im Schnitt. Diesen Effekt erklärt das WIdO unter anderem damit, dass die Versicherten in den östlichen Bundesländern im Durchschnitt deutlich älter sind. Damit steige die Häufigkeit von Krankheiten – und der Arzneimittelverbrauch.

Fast drei Viertel der verordneten Tagesdosen fielen 2013 auf die großen Volkskrankheiten: Herz-Kreislauf-Erkrankungen waren beinahe für die Hälfte (48,4) aller Verordnungen ursächlich, gefolgt von Magen-Darm-Erkrankungen (9,2%), Diabetes (5,5%), psychischen Erkrankungen (5,4%) und Schmerzen/Entzündungen (4,5%). Es sind auch nur 20 Wirkstoffklassen – allerdings mit 856 einzelnen Wirkstoffen bzw. Wirkstoffkombinationen –, die mehr als 87 Prozent aller verordneten Tagesdosen ausmachten. So entfielen im letzten Jahr 21,2 Prozent der verordneten Tagesdosen allein auf die Bluthochdruckmittel der Wirkstoffklassen ACE-Hemmer und Sartane.


Kirsten Sucker-Sket