Neuer Wirkstoff im Tiermodell erfolgreich

Masern – Schutz nach Ausbruch?

Berlin - 17.04.2014, 15:57 Uhr


Der einzige sichere und wirksame Schutz vor Maserninfektionen ist die Impfung. Das könnte sich möglicherweise ändern. Ein neuer Wirkstoff könnte künftig auch nach einem Ausbruch das Umfeld Infizierter vor einer Erkrankung schützen und somit eine Ausbreitung verhindern. Grund zur Hoffnung geben erfolgreiche Tests am Tiermodell. Der getestete Wirkstoff, der in Tablettenform verabreicht werden könnte, senkt die Viruslast in Tieren, die mit einem Virus infiziert wurden, das eng mit dem Masernvirus verwandt ist.

Der niedermolekulare Hemmstoff des Masernvirus, bezeichnet als ERDRP-0159, wurde von Wissenschaftlern der Georgia State University in Atlanta entwickelt. Der Wirkstoff hemmt die für die Vermehrung des Virus unverzichtbare RNA-abhängige RNA-Polymerase. In dem Tierversuch, der von Wissenschaftlern des PEI im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung durchgeführt wurde, wurden Frettchen mit einem sehr engen Verwandten des Masernvirus, dem Hundestaupevirus infiziert. Der Hundestaupevirus gehört wie das Masernvirus zu den Morbilliviren.

Normalerweise sterben die Frettchen an der Infektion. Wurden sie jedoch ab dem dritten Tag nach der Infektion für 14 Tage mit dem Hemmstoff behandelt, überlebten sie. Die Behandlung führte zudem zur Entwicklung eines Immunschutzes gegenüber dem Hundestaupevirus – eine erneute Infektion mit dem Virus blieb folgenlos. Gerade vor dem Hintergrund, dass es immer wieder Masernausbrüche gibt – allein 2013 wurden dem Robert Koch-Institut 1775 Masernfälle in Deutschland gemeldet – wäre ein Wirkstoff hilfreich, der bei Auftreten einer Infektion das Risiko einer Weiterverbreitung des Virus reduziert, so das PEI.

Über die Forschungs­ergebnisse berichtet Science Translational Medicine in seiner Online-Ausgabe vom 16. April 2014. Hier finden Sie das Online-Abstract.

Originalpublikation: S. A. Krumm, D. Yan, E. S. Hovingh, T. J. Evers, T. Enkirch, G. P. Reddy, A. Sun, M. T. Saindane, R. F. Arrendale, G. Painter, D. C. Liotta, M. G. Natchus, V. von Messling, R. K. Plemper, An Orally Available, Small-Molecule Polymerase Inhibitor Shows Efficacy Against a Lethal Morbillivirus Infection in a Large Animal Model. Sci. Transl. Med. 6, 232ra52 (2014).


DAZ.online


Das könnte Sie auch interessieren

Virustatikum Favipiravir als Therapeutikum im Gespräch

Grippemittel gegen Ebola

Medikamentös gegen Influenza

Grippeviren ausbremsen!

Mit Erbinformationen gegen Corona

Lichtblick mRNA-Impfstoffe?

Wann kommt der erste Impfstoff gegen COVID-19?

Über 40 Kandidaten

Extrem ansteckend und keine Impfung oder Therapie in Sicht

Bedrohung durch Ebola?

Tipps gegen die Gefahr aus dem Freien

Die Zeckensaison ist eröffnet

Genauerer Blick auf die Datenlage dämpft die Hoffnung

Gammora – die Wunderwaffe gegen HIV?