Stiftung Warentest

Top 80 der rezeptfreien Kinderarzneimittel

Berlin - 27.03.2014, 10:36 Uhr


Bis zu zehn Infekte haben Kinder pro Jahr – für Eltern oft eine Herausforderung. Bei harmlosen Beschwerden können Eltern auf rezeptfreie Mittel zurückgreifen. Was es dabei zu beachten gibt und welche die 80 „besten und günstigsten“ rezeptfreien Medikamente gegen häufige Kinderkrankheiten wie Husten, Schnupfen, Fieber und Blähungen sein sollen, beschreibt Stiftung Warentest in ihrer aktuellen April-Ausgabe.

Weil Kinder empfindlicher auf Arzneimittel reagieren als Erwachsene, sollten Eltern Medikamente „nicht unnötig und nur in der richtigen Dosis verwenden“, mahnt Professor Dr. Joachim Freihorst, Chefarzt der Kinderklinik Aalen und einer der Warentest-Arzneimittelexperten. Rund die Hälfte der Medikamente in Deutschland sei auch gar nicht für Kinder zugelassen, erklärt Warentest. Manche schadeten ihnen sogar, selbst rezeptfreie wie der „Klassiker“ ASS. Auch viele gängige Kombipräparate wie Grippostad C, Thomapyrin oder Wick Medinait und Daymed seien für Kinder nicht zugelassen – und darüber hinaus auch für Erwachsene „wenig geeignet“.

Woher weiß man, welche Medikamente für Kinder geeignet sind? „Ob Kinder Medikamente nehmen dürfen, sehen Ärzte und Apotheker in Datenbanken und Fachbüchern“, heißt es im Test. Auch der Beipackzettel gebe Auskunft. Allerdings müssten die Dosierungsvorgaben beachtet werden, denn: „ab einer gewissen Menge können auch zugelassene Mittel schaden“. Laut einer Studie mit knapp 17.500 Kindern erhielten mehr als ein Fünftel der Kinder in Deutschland falsch dosierte Arzneien, berichtet Warentest: fünf Prozent zu hoch dosiert, 17 Prozent zu niedrig. Besonders bedenklich sei dies bei Antibiotika, da eine zu niedrige Dosierung hier die Bildung von Resistenzen begünstige.

Neben allgemeinen Tipps und weiteren Hinweisen zur richtigen Medikamentenanwendung bei Kindern listet das Verbrauchermagazin die seiner Meinung nach jeweils „besten und günstigsten“ Präparate auf – gegen Husten, Schnupfen, Fieber und Schmerzen, Durchfall und Übelkeit, Verstopfung, Blähungen, Heuschnupfen, Wunden und Läuse. Dabei fällt auf, dass einige Präparate nicht aufgeführt sind, obwohl sie mit gewissen Einschränkungen für Kinder zugelassen und teilweise günstiger sind. So bleiben etwa das Trockenhefepräparat Perenterol Junior, der Silomat Saft mit Pentoxyverin und auch das abschwellende und zugleich pflegende Nasic für Kinder unerwähnt.

In Bezug auf homöopathische Präparate verweisen die Tester auf den positiven Placebo-Effekt, der bereits bei Kindern greife. „Selbst bei ganz jungen überträgt sich zudem wohl schon die Zuversicht der Eltern und Ärzte“, weiß Freihorst. Grundsätzlich sollte bei kranken Kindern im Zweifel besser der Arzt oder Apotheker gefragt werden, raten die Tester – die Grundregel sei: „Lieber einmal zu oft zum Arzt als zu selten“. Oft bestünden aber auch „gute Chancen, dass Kinder vielen Leiden einfach entwachsen“. Jeder einzelne Infekt rüste letztlich das Immunsystem für eine bessere Abwehr in der Zukunft.


Juliane Ziegler/Annette Lüdecke


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