AOK-Ausschreibung für HPV-Impfstoffe

SPMSD bietet nicht mit

Berlin - 17.03.2014, 11:33 Uhr


Der Impfstoffhersteller Sanofi Pasteur MSD (SPMSD) wird sich nicht an der Ausschreibung der AOK Niedersachsen und der AOK Hessen für HPV-Impfstoffe beteiligen. Das Unternehmen will damit ein klares Signal setzen: Die Ausschreibung mache aus mehreren Gründen keinen Sinn, erklärte Oliver Sadlek von SPMSD.

Derzeit gibt es auf dem deutschen Markt zwei HPV-Impfstoffe: Das bivalente Cervarix® von GSK und das tetravalente Gardasil® von SPMSD. Beide sind auch als Importarzneimittel verfügbar. Dieser doch recht übersichtliche Markt hat die beiden Ortskrankenkassen nicht gehindert, Ende Februar eine Ausschreibung zu starten. Einziges Auswahlkriterium ist der Preis.

Sanofi Pasteur – nach eigenen Angaben mit über 80 Prozent der Verschreibungen Marktführer bei den HPV-Impfstoffen – hat nun angekündigt, kein Angebot abzugeben. Aus Sicht des Unternehmens macht die Ausschreibung aus mehreren Gründen keinen Sinn. Zum einen liege Deutschland mit HPV-Impfraten von rund 40 Prozent international höchstens im Mittelfeld. Ausschreibungen – das zeigten die Erfahrungen bei den Grippeimpfstoffen – führten aber in der Regel dazu, dass weniger Menschen geimpft werden. Dies stehe im Widerspruch zu dem im Koalitionsvertrag erklärten politischen Willen, die Impfraten erhöhen zu wollen. „Diese Ausschreibung ist das falsche Signal. Wir brauchen mehr Prävention und nicht weniger und wir glauben, dass das Vorhaben der AOKen, was die öffentliche Gesundheit betrifft, nicht zielführend ist“, so Oliver Sadlek.

Überdies verweist das Unternehmen darauf, dass gerade Ausschreibungen mit exklusivem Charakter Versorgungsprobleme schaffen können. Denn ein Hersteller, der keinen solchen Vertrag hat, plant weniger Dosen ein und kann den Ausfall eines Mitbewerbers angesichts der komplexen Herstellung der Impfstoffe kaum kompensieren. Auch hier verweist SPMSD auf den Koalitionsvertrag: „Beim Abschluss von Rabattverträgen müssen die Vertragspartner die Versorgungssicherheit gewährleisten, indem sie Maßnahmen gegen Lieferengpässe vereinbaren. Dies gilt insbesondere für Impfstoffe“, heißt es dort. Im Mittelpunkt müsse die Versorgungssicherheit stehen, meint auch SPMSD. Konsequenz des Herstellers: Er ist grundsätzlich gegen exklusive Ausschreibungen – gerade für Impfstoffe sei es das falsche Instrument.

Zudem seien die beiden auf dem Markt erhältlichen HPV-Impfstoffe nicht vergleichbar. Sei der Preis das einzige Entscheidungskriterium, werde der unterschiedliche medizinische Nutzen der beiden Produkte vernachlässigt und die patientenindividuelle Therapieentscheidung der Ärzte eingeschränkt, mahnt SPMSD. Zu berücksichtigen sei überdies, dass der HPV-Markt vor einem Wandel stehe: Neue Studien zeigten, dass gerade bei jüngeren Impflingen zwei, statt wie bisher drei Dosen ausreichen. Dies werde entsprechende Entlastungen für die Krankenkassen nach sich ziehen.

Nicht zuletzt verweist das Unternehmen auf den Preisdruck bei Impfstoffen. Auch für die HPV-Impfstoffe gelte nach dem AMNOG entweder ein europäischer  Referenzpreis-Rabatt oder aber der Zwangsrabatt. Sadlek: „Jetzt noch die Ausschreibungen – das alles zusammen wird dem Wert einer medizinischen Innovation, für deren Idee es immerhin einen Nobelpreis gab, nicht mehr gerecht.“

GSK will die Ankündigung seines Wettbewerbers nicht kommentieren: „Zu Ausschreibungen und möglichen Beteiligungen äußern wir uns während der laufenden Gebotspflicht nicht.“



Kirsten Sucker-Sket


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