VdPP-Stellungnahme zur Leitbilddebatte

Evidenzbasierte Pharmazie weiterentwickeln!

Berlin - 12.03.2014, 15:23 Uhr


Aus Sicht des Vereins demokratischer Pharmazeutinnen und Pharmazeuten (VdPP) standen für eine „Apotheke der Zukunft“ wesentliche Themen nicht im Fokus der öffentlichen Leitbilddiskussion der letzten Wochen und Monate. Zu allererst hätte der Anspruch der Apothekerschaft an sich selbst diskutiert und definiert werden müssen, meint der VdPP. Dabei geht es ihm vor allem um Ansprüche ethischer und wissenschaftlicher Art.

Zentral ist für den VdPP ein ethischer Anspruch an die eigene Arbeit und den Umgang mit Patientinnen und Patienten. Der Grundsatz einer zukunftsweisenden Berufsethik müsse sein, die Patienteninteressen in den Mittelpunkt der eigenen Arbeit zu stellen. Und das will der VdPP jenseits aller immer wieder beteuerten Floskeln verstanden wissen. Als freie Heilberufler hätten die Apothekerinnen und Apotheker  einen gesellschaftlichen und gesetzlichen Auftrag im Gemeinwohlinteresse, betont der Verband. Mit diesem seien Pflichten verbunden, die die verschiedenen gesetzlichen Schutzmechanismen für die öffentliche Apotheke rechtfertigten – zuvorderst das Mehr- und Fremdbesitzverbot. Verhielten sich die Apothekerinnen und Apotheker vor allem als Kaufleute, stellten sie dieses Konstrukt selbst infrage, mahnt der VdPP. Die „Apotheke der Zukunft“ drohe dann letztlich ganz anders auszusehen.

Weiterhin will der VdPP wissenschaftliche Diskussionen und Erkenntnisse in der täglichen Arzneimittelversorgung, insbesondere der Beratungs- und Herstellungsarbeit, besser berücksichtigt sehen. Anders als es der Fragebogen zur Online-Diskussion suggeriert habe, sei nicht nur das Wissen um neue Arzneimittel und Forschungstrends entscheidend. Wichtig sei auch ein Problembewusstsein in der Selbstmedikation – hier vermisst der Verband noch eine Aufarbeitung der wissenschaftlichen Evidenz, obwohl es sich um eines der zentralen Zuständigkeitsgebiete der Offizin-Apotheken handele. Eine zukunftsfähige Apotheke, so der VdPP, brauche unbedingt eine Weiterentwicklung der evidenzbasierten Pharmazie. „Die von allen Beteiligten gerne betonte Heilberuflichkeit und der Einsatz von Arzneimitteln als ‚besonderes Gut‘ erfordern eine wissenschaftlich fundierte Unterfütterung“. Diese bestehe vor allem darin, das verfügbare und gesicherte Wissen den Patienten in geeigneter Form zu vermitteln. „Wir brauchen daher endlich evidenzbasierte Leitlinien, mindestens aber fundierte Informationen zu den wichtigsten Selbstmedikations-Arzneimitteln und ihrem patientenrelevanten Nutzen“, so der VdPP in seiner Stellungnahme.


Kirsten Sucker-Sket


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