ZL-Warnung

Nicht deklarierte Corticoide in Dermatika

Berlin - 04.03.2014, 12:08 Uhr


Das Zentrallaboratorium Deutscher Apotheker (ZL) hat nicht deklarierte Corticoide in angeblich naturheilkundlichen Dermatika entdeckt. Betroffen sind verschiedene Formen von „NDF-Salben“. Daneben wurden auch in weiteren Salben nicht deklarierte Corticoide nachgewiesen. Das ZL warnt vor der Anwendung der Salben und bittet Apotheker, nachfragende Kunden entsprechend zu informieren und zu beraten.

Auf verschiedenen Webseiten werden diverse Formen von „NDF-Salben“ angepriesen. Die Inhaltsstoffe der Salben sind dabei nur teilweise genannt: „Hauptwirkstoffe: Vaselinum album, Salicylum acidum, Stipides dulcamara, Sulfur“, heißt es dort. Dieser Aufzählung folgen Erläuterungen, in denen die Begriffe Salicyl- und Actetylsalicylsäure synonym verwendet werden. Ebenso eine Anwendungsempfehlung, die darauf hinweist, dass die mehrmals tägliche und regelmäßige Anwendung wichtig für eine rasche Besserung sei, so das ZL in seiner Mitteilung. Anwender berichteten weiterhin über die tatsächlich gute Wirkung der Produkte, die vor allem bei Kleinkindern zur langfristigen Behandlung von Neurodermitis eingesetzt werden. Abseits des Internets werden ähnliche Produkte offenbar besonders im süddeutschen Raum beispielsweise über Entspannungstherapeuten oder Wunderheiler vertrieben.

In allen eingeschickten Proben mit der Bezeichnung „NDF“ wurde vom ZL jedoch nicht deklariertes Betamethason-17,21-dipropionat in Konzentrationen von 0,001 Prozent bis 0,05 Prozent nachgewiesen. Andere Produkte mit Namen wie „Entspannungssalbe“, „Salbe gegen Neurodermitis“, „Entspannungssalbe mit Carthamus tinctorius“, „Pflegecreme zur unterstützenden Behandlung bei Neurodermitis mit äth. Ölen“, enthielten Betamethason-17,21-dipropionat in Konzentrationen  von 0,001 Prozent bis 0,02 Prozent oder Betamethasonvalerat (0,03%), Dexamethasonacetat (0,01%) oder auch Triamcinolonacetonid (0,02%). Die Herkunft dieser Produkte konnte nicht zweifelsfrei ermittelt werden. Auch diese werden vor allem bei Kleinkindern zur langfristigen Behandlung von Neurodermitis eingesetzt.

„Aufgrund dieser Ergebnisse und der Tatsache, dass die Produkte vor allem und über längere Zeit bei Säuglingen und Kleinkindern angewendet werden, sehen wir uns veranlasst, eindringlich vor der Anwendung dieser Salben zu warnen und die Kolleginnen und Kollegen in den Öffentlichen Apotheken zu bitten, nachfragende Kunden entsprechend zu informieren und zu beraten“, heißt es dazu in der Meldung.


Annette Lüdecke


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