Multiple Sklerose

Alkohol wirkt immunmodulatorisch

28.02.2014, 11:13 Uhr


Patienten mit multipler Sklerose (MS) müssen offenbar nicht auf Alkohol verzichten. Denn eine schwedische Untersuchung erbrachte einen statistisch signifikanten inversen und dosisabhängigen Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und Auftreten der Erkrankung.

Das Risiko, an multipler Sklerose zu erkranken, wird sowohl durch genetische als auch durch Umwelt- und Lifestyle-Faktoren beeinflusst. Ob Alkohol zu den Risikofaktoren zählt, konnte bisher noch nicht eindeutig geklärt werden. In zwei großen Bevölkerungs-basierten Fall-Kontroll-Studien mit 745 Patienten mit multipler Sklerose und 1761 Gesunden bzw. 5874 MS-Patienten und 5246 Kontrollen war nach Auswertung ausführlicher Fragebögen die Chance, an multipler Sklerose zu erkranken, bei den Alkoholkonsumenten in einigen Subgruppen teilweise nur halb so groß wie unter Nichttrinkern.

Bei Teilnehmern, die mehr als 112 g Alkohol (Frauen) bzw. über 168 g (Männer) pro Woche konsumierten, lag die Odds Ratio zwischen 0,5 und 0,7. Unter Rauchern war die Risikoreduktion durch den Alkohol sogar noch ausgeprägter als unter Nichtrauchern.

Sehr überrascht zeigten sich die Studienautoren über die Befunde nicht; denn experimentellen und klinischen Daten zufolge besitzt Alkohol dosisabhängig immunmodulatorische Eigenschaften. Moderate Alkoholmengen wirken antiinflammatorisch, beispielsweise durch Erhöhung von Interleukin-10-Spiegeln. Folgerichtig konnte auch bei anderen Autoimmunkrankheiten wie Lupus erythematodes und rheumatoider Arthritis in Studien bereits gezeigt werden, dass das Erkrankungsrisiko bei Trinkern niedriger ist als bei Nichttrinkern.

Der Einfluss des Alkoholkonsums auf bereits etablierte multiple Sklerose war in dieser Studie nicht untersucht worden. Dennoch könnten die Ergebnisse nach Ansicht der Autoren für die klinische Praxis bedeuten, dass man MS-Patienten nicht zum kompletten Alkoholverzicht raten muss. 

Quelle: Hedström AK, et al. Alcohol as a Modifiable Lifestyle Factor Affecting Multiple Sclerosis Risk. JAMA Neurol. 2014; doi: 10.1001/jamaneurol.2013.5858.


Dr. Claudia Bruhn