Retinitis

Blinde Mäuse wurden sehend

München - 25.02.2014, 15:35 Uhr


Bestimmte Azobenzol-Derivate können in der Netzhaut als Photoschalter fungieren und damit die defekten Photorezeptoren teilweise ersetzen. Erfolgreiche Tierversuche wecken Hoffnungen auf ein entsprechendes Arzneimittel, das blinden Menschen das Augenlicht zurückgeben könnte.

Seit einigen Jahren testen Forschungsgruppen um Dirk Trauner in München und Richard Kramer in Berkeley systematisch verschiedene Azobenzol-Derivate des Typs AQ an blinden Mäusen. Dabei steht ein Diethyl­amino-AQ (DENAQ) im Fokus.

An der Netzhaut entfalten die AQ ihre Wirkung an spannungsgesteuerten tetrameren Kaliumionenkanälen. Die AQ werden durch sichtbares Licht aktiviert und fungieren als photochrome Ionenkanalblocker: Bei Bestrahlung mit Licht einer bestimmten Längenwelle (d. h. Farbe) ändern sie ihre dreidimensionale Form, binden an die ­Tetraethylammonium (TEA)-Bindungsstelle im Ionenkanal und blockieren ihn. Die Ionenkanäle, die sich in Ganglienzellen auf der Netzhaut befinden, stimulieren den Sehnerv, der von Natur aus nur durch die Photorezeptoren – die Sehstäbchen und Sehzäpfchen – stimuliert wird. Der Effekt konnte bei blinden Mäusen sicher nachgewiesen werden. Wie das Hirn der Maus den Lichtreiz verarbeitet, also welches Bild dabei entsteht, konnten die Versuche selbstverständlich nicht zeigen.

Immerhin finden die Forscher ihre Ergebnisse so ermutigend, dass sie in zwei Jahren eine klinische Studie mit blinden Patienten (z.B. aufgrund einer Renitis pigmentosa) starten möchten. Voraussetzung dafür ist, dass die Unbedenklichkeit von DENAQ nachgewiesen wird und eine retardierte Zubereitung entwickelt wird, die den Patienten höchstens einmal monatlich ins Auge injiziert werden muss – andernfalls wäre das Infektionsrisiko zu groß.

Quelle: Tochitsky I, et al. Restoring Visual Function to Blind Mice with a Photoswitch that Exploits Electrophysiological Remodeling of Retinal Ganglion Cells. Neuron 2014;81(4):800 – 813.


Dr. Wolfgang Caesar