Senioren und Arzneimittel

Rote Karte für erklärungsbedürftige Arzneiformen

Davos - 06.02.2014, 16:08 Uhr


Der aktuelle Rabattartikel nicht lieferbar, der Arzt hat kein Kreuz gemacht, das Hilfsmittel will genehmigt, ein Stapel Retaxationen will bearbeitet werden, und morgen werden die Rezepte abgeholt. Sprich, der ganz normale Wahnsinn in einer deutschen Apotheke. Dabei läuft man Gefahr, dass die eigentlichen Kernkompetenzen der Apotheker wie die pharmazeutische Betreuung auch mal zu kurz kommen. Apotheker Dr. Wolfgang Kircher aus Peißenberg gab in Davos wertvolle Tipps, dem vorzubeugen.

Viele Arzneiformen sind für die Altersgruppe, von der sie am meisten angewendet werden, den Senioren, schlichtweg nicht geeignet. Für die korrekte Anwendung sind Fähigkeiten notwendig, die bei vielen Älteren eingeschränkt sind. Die Patienten sehen schlecht, sie hören schlecht, die Feinmotorik und die kognitiven Fähigkeiten lassen nach. Und der tägliche Kampf mit kindergesicherten Verschlüssen, Blistern und Pens ist nicht nur lästig, sondern kann auch durch Fehldosierungen oder Non-Adherence den Therapieerfolg gefährden.

Hier ist man als Apotheker gefordert. Wechsel auf ein anderes Präparat, Hilfsmittel oder auch ganz einfache Handhabungshinweise, wie eine andere Grifftechnik oder die Anwendung mit beiden Händen sind nur ein paar Beispiele für mögliche Interventionen. Oft ist Kreativität gefragt, um anwendungsbezogene Probleme zu lösen. Aber um den Patienten zu einer korrekten Anwendung zu verhelfen, muss man problematische Arzneiformen erst mal als solche identifizieren.

Um hier zwischen Retaxationen und Rabattverträgen nichts zu übersehen, empfiehlt Apotheker Dr. Wolfgang Kircher, Präparate, die Probleme bei der Anwendung verursachen können, zu markieren. Softwareprogramme bieten beispielsweise die Möglichkeit, einen entsprechenden Hinweis zu hinterlegen, der dann bei der Abgabe daran erinnert. Den gleichen Zweck erfüllt aber auch ein rote Karte in der Schublade. Letztere Methode wendet Kircher in seiner Apotheke an. So können bei der Abgabe mögliche Schwierigkeiten bei der Anwendung konkret angesprochen werden, und die Gefahr, dass solch wichtige Dinge in der täglichen Routine untergehen, ist gebannt.


DAZ.online