Lieferprobleme bei Arzneimitteln

HAV-Vize Diefenbach: Immer dramatischere Ausmaße

Berlin/Offenbach - 15.01.2014, 10:16 Uhr


Der stellvertretende Vorsitzende des Hessischen Apothekerverbandes (HAV), Hans Rudolf Diefenbach, wird nicht müde, auf die weiterhin bestehenden Lieferprobleme bei einigen Arzneimitteln hinzuweisen. Die Zahl der betroffenen Präparate werde sogar größer, mahnt er. Den neuen Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe forderte Diefenbach auf, gegen diesen „unhaltbaren Zustand“ aktiv zu werden.

Bereits im Oktober letzten Jahres hatte der HAV Alarm geschlagen, weil es massive Lieferprobleme bei Schilddrüsen-Arzneimitteln gebe. Auch in der Publikumspresse und im Fernsehen wurde dieser Hilferuf aufgegriffen. Geändert hat sich jedoch nichts. Bis heute sei es den Herstellern dieser Produkte nicht gelungen, diese Problematik zu beheben, meldet der HAV heute. Insbesondere vermisst Diefenbach von ihnen eine plausible Erklärung, „wie es in einem hoch entwickelten Land wie Deutschland dazu kommen kann, dass es monatelang nicht möglich ist, die Apotheken mit bestimmten Wirkstärken dieser Arzneimittel zu beliefern“. Die Leidtragenden seien die betroffenen Patienten, so der HAV-Vize. Den Apothekern falle es zunehmend schwer, bei ihnen Verständnis zu finden.

Der HAV betont, dass es auch bei einer wachsenden Zahl anderer Arzneimittel Lieferschwierigkeiten gebe. So seien seit Wochen bestimmte Hormonpflaster nicht bei den Herstellern erhältlich. Aber auch gängige Schmerzmittel, etwa Lyrica oder Novaminsulfon-Tabletten, seien betroffen. Ebenso Antibiotika, Diabetes-Medikamente und Blutdrucksenker. Diefenbach ist empört: „Jetzt ist es schon soweit, dass wir ein Kortison-Präparat zur Injektion, das gemäß Apothekenbetriebsordnung im Notfallsortiment jeder Apotheke sein muss, nicht mehr bekommen. Das ist einfach nur noch skandalös“.

Der HAV vermutet als Grund für die Lieferprobleme die zahlreichen Rabattverträge, die die Arzneimittelpreise immer weiter nach unten treiben. Da könne es schon vorkommen, dass andere Märkte, wo höhere Verkaufspreise als in Deutschland erzielt werden könnten, bevorzugt beliefert würden, so der Verband.

Diefenbach appelliert daher an Gröhe: Auch wenn er sich derzeit noch nicht als „ausgewiesenen Gesundheitspolitiker“ bezeichne, werde es für ihn leicht nachvollziehbar sein, dass dies unhaltbare Zustände seien. „Deshalb fordere ich ihn auf, schnellstens dafür Sorge zu tragen, dass der Bevölkerung ihre dringend benötigten Arzneimittel wieder zur Verfügung stehen“, so der HAV-Vize.


Kirsten Sucker-Sket


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