Erste Interviews

Gröhe: „Ich bin kein ausgewiesener Gesundheitspolitiker“

Berlin - 06.01.2014, 09:53 Uhr


Für seine ersten Interviews hat sich der neue Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) die „Bild am Sonntag“ und als Rheinländer die „Rheinische Post“ ausgewählt. Programmatisches verkündet der bisherige CDU-Generalsekretär darin nicht. Aber er räumt freimütig ein: „Ein ausgewiesener Gesundheitspolitiker bin ich in der Tat nicht.“ Zu Apothekerthemen äußerte sich Gröhe nicht.

Er habe in sieben Jahren als Vorsitzender des Diakonischen Werks in seiner Heimatstadt Neuss wichtige Erfahrungen in der Altenpflege, der Gemeindepsychiatrie und der Hospizarbeit gesammelt. Außerdem: „Und mir steht ein gut aufgestelltes Ministerium mit hervorragenden Fachleuten zur Verfügung. Meine Aufgabe als Minister besteht darin, politische Entscheidungen zu treffen, zu erläutern und durchzusetzen.“

Gröhe sicherte zu,  wie im Koalitionsvertrag niedergeschrieben, für gesetzlich Versicherte die Wartezeiten auf einen Arzttermin zu verkürzen. Die Koalition habe vereinbart, dass künftig von überlangen Wartezeiten betroffene Kassenpatienten sich an eine Servicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung wenden können, sagte Gröhe: „Diese vermittelt entweder einen Termin bei einem niedergelassenen Facharzt oder, wenn das nicht geht, eine ambulante Krankenhausbehandlung.“ Allerdings will er auf Vorschläge aus der Ärzteschaft eingehen: „Ich freue mich, dass aus der Ärzteschaft jetzt auch eigene Vorschläge zur Verbesserung der Lage kommen. Je wirksamer diese sind, umso weniger muss die Politik machen.“

Außerdem möchte sich Gröhe wie schon sein Amtsvorgänger Daniel Bahr (FDP) um eine höhere Arztdichte in ländlichen Gebieten kümmern: „Ich will mit den Wissenschaftsministern der Länder darüber sprechen, dass junge Leute, die sich verpflichten, eine Praxis im ländlichen Raum zu übernehmen, der Zugang zum Studium erleichtert wird. Dies könnte auch für diejenigen gelten, die ein freiwilliges soziales Jahr zum Beispiel im Rettungsdienst geleistet haben.“ Der Minister kann sich einen Notenbonus als Anreiz vorstellen.

Grundlegende Kritik am deutschen Gesundheitssystem hält Gröhe für unberechtigt. In Deutschland erhielten alle Menschen unabhängig von Geldbeutel zum Beispiel auch noch die schwierigste Herzoperation. Das System sei insgesamt gut. „Aber es gibt nichts, was nicht noch verbessert werden kann.“

Die Sterbehilfe in Deutschland will Gröhe gesetzlich neu regeln. „Ich wünsche mir, dass wir jede geschäftsmäßige Hilfe zur Selbsttötung unter Strafe stellen“, sagte Gröhe der „Rheinischen Post“. Wer mit den Ängsten der Menschen vor dem Sterben ein Geschäft machen wolle und sich für Hilfe zur Selbsttötung bezahlen lasse, handele „überaus verwerflich“. Wer die Selbsttötung propagiere, „der versündigt sich an der Wertschätzung des menschlichen Lebens in allen seinen Phasen“.


Lothar Klein


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