Offener Brief an Kammer-Präsidenten

Professoren sorgen sich um „deutsches Apothekenwesen“

Berlin - 12.12.2013, 12:19 Uhr


Pharmazieprofessoren verschiedener Universitäten machen sich Gedanken um die Qualität der apothekerlichen Fort- und Weiterbildung: „Mit großer Sorge sehen wir die Entwicklung, dass der für die Existenzberechtigung des deutschen Apothekenwesens essentielle Anspruch einer wissenschaftlich fundierten und von den wirtschaftlichen Interessen der Pharmaindustrie und Ärzte entkoppelten Arzneimittelversorgung inklusive einer sachgerechten Beratung der Patienten über ihre Arzneimitteltherapie zunehmend in den Hintergrund tritt“, schreiben acht in einem Offenen Brief an den Präsidenten der Bundesapothekerkammer und die Präsidenten der Landesapothekerkammern.

Zur Untermauerung ihrer Sorge führen sie ein Beispiel exemplarisch an. Eine aktuelle Fortbildungsveranstal­tung der Apothekerkammer Mecklenburg-Vorpommern zum Thema „Schüßler-Salz-Sal­ben“ werde folgendermaßen beschrieben: „.. alternative Heilmethoden werden auch in der Apo­theke gerne angenommen. Die Anwendung von Schüßler-Salzen ist dabei ein Gebiet, wel­ches bei entsprechendem Kenntnisstand in der Apotheke erfolgreich platziert werden kann. Zur Erweiterung oder Vertiefung Ihrer Kenntnisse wird in den kommenden Veranstaltun­gen der Blick auf Schüßler-Salz-Salben gerichtet. Wie können die Empfehlungen in der Apotheke rund um dieses Thema aussehen?“

Als Referent der von der Kam­mer organisierten (und finanzierten?) Veranstaltungsreihe trete ein Mitarbeiter des Unternehmens DHU auf, das Vertreiber von Schüßler-Salz-Salben ist. „Es ist aus unserer Sicht dringend erforderlich, dass sich die Apothekerkammern wieder ihrer elementaren Aufgaben besinnen“, fordern die Unterzeichner Prof. Dr. Bernd Clement (Universität Kiel), Seniorprof. Dr. Theodor Dingermann (Uni Frankfurt/Main), Prof. Dr. Ulrike Holzgrabe (Uni Würzburg), Prof. Dr. Dres. h.c. Ernst Mutschler (Uni Frankfurt/Main), Prof. Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz (Uni Frankfurt/Main), Prof. Dr. Dieter Steinhilber (Uni Frankfurt/Main), Prof. Dr. Angelika Vollmar (Uni München) und Prof. Dr. Werner Weitschies (Uni Greifswald).

Dazu gehöre insbesondere die Pflicht, für die Qualität der Berufsausübung sowie die der Fort- und Weiterbildung zu sorgen. „Eine als Fortbildung verbrämte und zertifizierte (!) Durchführung von Veranstaltungen von Unternehmen über die von diesen vertriebenen Produkte, für die es in diesem Fall – auch nach intensiver Recherche – keinen wissenschaftlich belegten Wirksamkeitsnachweis gibt, steht im Gegensatz zu dieser Aufgabe und letztendlich auch im Gegensatz zur Notwendigkeit eines wissenschaftlichen Apothekerstandes.“ In Sorge um die Zukunft des Berufsstandes fordern die Pharmazeuten Kiefer sowie die verantwortlichen Kollegen der Landesapothekerkammern schließlich auf, „den beschriebenen Tendenzen umgehend effektiv entgegenzuwirken“.


Juliane Ziegler