Chronische Kranke als Zielgruppe

DocMorris präsentiert sich im Aufwind

Berlin - 05.12.2013, 15:53 Uhr


Rund ein Jahr, nachdem der Stuttgarter Pharmahändler Celesio DocMorris an die Schweizer Zur Rose verkauft hat, kündigt der Chef der holländischen Versandapotheke Olaf Heinrich an, wieder auf Expansionskurs gehen zu wollen. Die Zahl der Kunden sei genauso nach oben geklettert wie die Erlöse, sagte er der Nachrichtenagentur dpa-AFX.

„Nach den Verlusten von Kunden im vergangenen Jahr aufgrund der Einführung eines neuen IT-Systems sind wir wieder ins Wachstum zurückgekehrt“, erklärte Heinrich im Interview der Nachrichtenagentur. Von mehr als zwei Millionen Stammkunden ist die Rede. Zudem seien in den ersten neun Monaten die Umsätze um knapp drei Prozent gegenüber dem Vorjahr geklettert. Dass DocMorris wieder schwarze Zahlen schreibe, habe auch mit dem Geschäft mit frei verkäuflichen Medikamente zu tun. „OTC ist nach wie vor ein riesiger Wachstumsmarkt, auf dem sind wir auch gut unterwegs. Hier reden wir über Zuwächse von 50 Prozent und mehr“, so Heinrich. Wie die schwarzen Zahlen absolut aussehen, bleibt allerdings offen.

Für die Zukunft setzt DocMorris aber vor allem auf das Geschäft mit chronisch Kranken – und damit auch Rx-Arzneimitteln. Für diese Kundengruppe soll es neue Dienstleistungen geben. Bekanntlich bietet DocMorris schon seit geraumer Zeit einen Arzneimittel-Check an – allerdings darf die Apotheke nicht mehr mit Prämienzahlungen zur Teilnahme locken. Heinrich meint dennoch, dass das Angebot auf Interesse stößt: „Für den Kunden ist nicht nur der Preis wichtig, sondern das Drumherum-Paket wird für ihn immer entscheidender.“ Seinen Angaben zufolge sind 85 Prozent der DocMorris-Kunden chronisch krank. Und Millionen Menschen in Deutschland seien multimorbid und müssten daher besonders auf Wechselwirkungen zwischen Medikamenten achten. Einen persönlichen Kontakt mit einem Apotheker vor Ort hält er offenbar für nicht nötig. „Es gibt keinen anderen Anbieter, der diese Patientengruppe so im Blick hat wie wir“, erklärt Heinrich. „Wir sammeln alle Patientenvorgänge in einer Datenbank und prüfen, sobald das Rezept vom Arzt kommt, auch mögliche Wechselwirkungen mit den anderen bereits verschriebenen Medikamenten.“ Die Daten würden aber nur mit Zustimmung des Kunden und in Einklang mit dem Datenschutzrecht gesammelt.

Seit die niederländische Versandapotheke der Schweizer Zur Rose-Gruppe gehört, seien neue Strategien möglich, so Heinrich weiter. Mit Celesio als Konzernmutter und Markus Pinger an ihrer Spitze lief nicht alles zum Vorteil von DocMorris. Das sei mit dem neuen Eigentümer ganz anders, so Heinrich, der denke so wie DocMorris. „Der Aufbruchstimmung, die nach dem Verkauf da war, folgt nun auch die Umsetzung von Ideen.“ Am niederländischen Firmensitz in Heerlen werde ein neues Verwaltungs- und Logistikzentrum gebaut – dafür werde im zweistelligen Millionenbereich investiert. „Damit haben wir die Möglichkeit, in andere europäische Länder zu expandieren“, so Heinrich. Das Logistikzentrum soll voraussichtlich bis Mitte 2015 in Betrieb gehen. Derzeit beschäftigt DocMorris 500 Mitarbeiter, davon sind mehr als 100 Pharmazeuten.

Überdies will DocMorris neue Kunden auf dem Land gewinnen – und hat dabei noch immer seinen Apothekenbus im Hinterkopf. Der taucht im Koalitionsvertrag zwar nicht auf – aber Strategie-Vorstand Max Müller stützt sich auf die dort getroffene Aussage, die flächendeckende Versorgung im ländlichen Raum solle sichergestellt werden. „Es ist schön und gut, aber nur mit Geld bekommt man einen Arzt nicht in die Fläche“, gibt Müller zu bedenken. Wenn aber kein Arzt da ist, wird es bald auch keine Apotheke geben.“ Seine Lösung: Der DocMorris-Apothekenbus – noch gibt es für diesen jedoch keine rechtliche Grundlage. Und ob eine etwaige Große Koalition sie schaffen wird, steht in den Sternen.

Schon im Frühjahr hatten die DocMorris-Spitze und Zur Rose-Chef Walter Oberhänsli im DAZ-Interview ihre Expansionspläne aufgezeigt. 


dpa-AFX/DAZ.online


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