Pharma verordnet sich mehr Transparenz

Fischer: „Bewusstseinswandel auf breiter Front“

Berlin - 28.11.2013, 17:03 Uhr


Gestern hat die Mitgliederversammlung des Vereins Freiwillige Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie (FSA) einen Transparenzkodex beschlossen. Dieser verpflichtet Unternehmen dazu, sämtliche Zuwendungen an Ärzte und andere Fachkreisangehörige offenzulegen. Die Hauptgeschäftsführerin des Verbands forschender Pharma-Unternehmen (vfa), Birgit Fischer, betonte: „Transparenz wird heute in allen Bereichen der Gesellschaft gefordert, und die Pharma-Industrie macht beherzte Schritte, dem Rechnung zu tragen. Diese Entwicklung ist unumkehrbar!“

Wenn Ärzte und Pharmaunternehmen zusammenkommen, kommt schnell der Generalverdacht der Beeinflussung und Manipulation auf. Damit soll nun Schluss sein – stattdessen ist Transparenz das Zauberwort der Stunde. „Sie ist die Grundlage für Glaubwürdigkeit und Kooperation“, betont Fischer. Und sie ist überzeugt: „Dadurch wird das Vertrauen auf allen Seiten wachsen“. Bei den forschenden Pharma-Unternehmen habe es auf breiter Front einen Bewusstseinswandel gegeben, der auch gelebt werde. Mit dem neuen Transparenzkodex mache die Industrie einen weiteren großen Schritt zu mehr Offenheit und Transparenz und setze neue Standards für ihr Handeln, so Fischer.

Konkret umfasst der neue FSA-Transparenzkodex die Verpflichtung der Mitgliedsunternehmen zur Offenlegung aller unmittelbaren und mittelbaren Zuwendungen an Ärzte und Fachkreisangehörige sowie an medizinische oder wissenschaftliche Organisationen. Diese Informationen sollen künftig auf den jeweiligen Unternehmens-Webseiten öffentlich zugänglich sein. Die erste Veröffentlichung soll im Jahr 2016 mit den Daten des Kalenderjahrs 2015 erfolgen. Erfasst sind Spenden und andere einseitige Zuwendungen. Ebenso Zuwendungen im Zusammenhang mit Fortbildungsveranstaltungen sowie Dienstleistungs- und Beratungshonorare. Inkrafttreten kann der Transparenzkodex nach der kartellrechtlichen Genehmigung – damit wäre er auch als Wettbewerbsregel anerkannt.

In der Mitgliederversammlung des FSA wurde überdies eine Änderung am Fachkreise-Kodex verabschiedet. Künftig soll die Abgabe jeglicher Geschenke an Angehörige der Fachkreise, also auch an Apotheker, verboten sein. Dies gilt auch für geringwertige Werbegaben wie Kugelschreiber oder Schreibblöcke. Die neue Regelung wird – ebenfalls vorbehaltlich der vorherigen Genehmigung durch das Bundeskartellamt, die für das 1. Quartal 2014 erwartet wird – nicht vor dem 1. Juli 2014 in Kraft treten.

Die Einhaltung der Kodizes wird von der Schiedsstelle des FSA überwacht und bei Zuwiderhandlungen sanktioniert. Aber nicht nur die Mitgliedsunternehmen können verfolgt werden. Kommt dem FSA ein Fehlverhalten von Nicht-Mitgliedsunternehmen unter, so kann er als Wettbewerbsverein zivilgerichtlich gegen sie vorgehen. Derzeit repräsentieren die FSA-Mitglieder dem Verein zufolge mehr als 70 Prozent des deutschen Pharma-Markts.


Mehr Informationen gibt es auf der Website www.pharma-transparenz.de.


Kirsten Sucker-Sket


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