Leitbild-Diskussion

Brandenburg und der neue "ABDA-Stern"

Potsdam - 28.11.2013, 17:10 Uhr


Jens Dobbert, Präsident der Apothekerkammer Brandenburg, hält die von der ABDA initiierte Leitbilddiskussion für nicht notwendig. Er befürchtet, dass die Apotheker sich nun zu lange ganz mit sich selbst beschäftigen werden – und die ABDA dabei andere Aufgaben aus den Augen verliert.

Nach den Auseinandersetzungen über die Apothekenbetriebsordnung fühlen sich die Apotheker in Brandenburg von der ABDA nicht mehr verstanden – und auch nicht vertreten. Nicht nur ihrem Präsidenten Dobbert drängt sich der Eindruck auf, der obersten Standesorganisation gehe es zunehmend um Interessen großer Apotheken und Verbünde – nicht mehr um jede Apotheke.

Doch nach all den herben Enttäuschungen steige am Horizont nun offenbar „ein neuer Stern empor, der uns die Zukunft erleuchten soll“, sagte Dobbert gestern vor der Kammerversammlung in Potsdam. Gemeint ist das Leitbild für die öffentliche Apotheke. Dieser „ABDA-Stern“, so der Kammerpräsident, gebe den Apotheken einen neuen Grund, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Er selbst hat allerdings seine Zweifel, ob die deutschen Apotheker wirklich ein neues Image – und eine Kampagne hierfür – brauchen. Er gibt zu bedenken: In den letzten Jahren belegten die Apotheker immer einen der obersten Plätze in den Rankings der vertrauenswürdigen Berufsgruppen: „Wir erfahren jeden Tag die Wertschätzung unserer Patientinnen und Patienten“, so Dobbert. Dass die in der Bevölkerung ebenfalls sehr geschätzten Feuerwehrleute, Krankenschwestern, Piloten oder Ärzte ihr Leitbild debattiert hätten, habe er jedenfalls nicht gehört. Daher fragt er sich, ob die Leitbilddiskussion möglicherweise nur vorgeschoben sein könnte, um Leistungserweiterungen und Honorarforderungen begründen zu können. Er warnt: „Wenn der Hintergrund des neuen Leitbildes mehr Geld ist, dann werden wir scheitern“. Die insgesamt eingeplanten 6 Millionen Euro für die Kampagne könnten aus seiner Sicht besser verwendet werden. Etwa in eine Machbarkeitsstudie zur stratifizierten Pharmakotherapie, wie sie die Brandenburger Kammer 2012 beim Apothekertag gefordert hatte – erfolglos, weil dies für die Bundesapothekerkammer nicht zu stemmen sei, wie es hieß.

Dass Apothekerinnen und Apotheker ihre Arbeit weiterentwickeln und anpassen müssen, stellt Dobbert nicht infrage. Dies sei Grundvoraussetzung für jeden Beruf, und hierzu seien viele Kollegen auch bereit. Eine neue Imagekampagne bräuchten sie dazu aber nicht. Stattdessen sollten „wir endlich anfangen, selbstbewusster aufzutreten und uns nicht immer selber kleinreden oder kleinreden lassen“. Endlich wieder ein „Wir-Gefühl“ im Berufsstand spüren und dieses auch tagtäglich leben – das ist Dobberts Vision. Und diese sähe er auch gerne in der ABDA.

Dobbert sieht die ABDA an anderer Stelle gefordert, als lange Diskussionen über das Leitbild zu führen und Konvente hierzu abzuhalten. Sie müsse anfangen – und zwar mit Nachdruck –, der Politik zu vermitteln, was die Apotheken für Null Euro für andere erledigten. Und das zu Zeiten, da ihnen zusätzliche unnötige Bürokratie aufgebürdet und Industriemaßstäbe abgefordert werden. So sorgten Apotheken unter anderem durch die Umsetzung der Rabattverträge für Einsparungen der Kassen. Ebenso übernehme man kostenlos das Inkasso der Zuzahlungen. Die ABDA müsse sich dafür einsetzen, dass es hierfür eine Rückvergütung gibt, so Dobbert. Eine Imagekampagne, damit die Bevölkerung die Apotheken „alimentiere“, wie es der ABDA-Vizepräsident ausdrückte, brauche man nicht. Die Arbeit der ABDA müsse darauf ausgerichtet sein, dass die Politik Apotheker endlich als Heilberufler anerkennt. „Ein erster Schritt wäre die Entfernung des ‚eingetragenen Kaufmanns‘ auf unseren Briefköpfen“.

Doch Dobbert fürchtet, nun werde man sich in den kommenden Monaten vor allem mit sich selbst beschäftigen. Auch wenn ihn so manches am geplanten Prozedere verwundert, an die Mitgliederversammlung appelliert er letztlich doch: „Ich kann Sie nur ermuntern, sich an der Leitbilddiskussion zu beteiligen und sie nicht zur Leidbilddiskussion verkommen zu lassen“. Das Geld sei sowieso schon ausgegeben.


Kirsten Sucker-Sket