Verband forschender Pharma-Unternehmen

Zweite Amtsperiode für Hagen Pfundner

Berlin - 21.11.2013, 17:15 Uhr


Dr. Hagen Pfundner, Geschäftsführer der Roche Deutschland Holding GmbH, ist in seinem Amt als Vorstandsvorsitzender des Verbands forschender Pharma-Unternehmen bestätigt worden. Der von der Mitgliederversammlung neu gewählte elfköpfige Vorstand wählte Pfundner für zwei weitere Jahre an seine Spitze. Auch für kommende Amtsperiode hat Pfundner vor allem ein Ziel: Er will, dass Arzneimittel nicht nur als Kostenfaktor, sondern in einem größeren Kontext gesehen werden.

Die industrielle Gesundheitswirtschaft ist ein bedeutender Wirtschaftszweig in Deutschland. Dennoch würden Arzneimittel oft zu einseitig im Kontext der Gesundheitsversorgung – und in dieser vor allem als Kostenfaktor – betrachtet, so Pfundner. Dabei müssten sie ebenso mit Wirtschaft und Wissenschaft in Verbindung gebracht werden. Die Pharmabranche sei ein „Infrastrukturindustrie“, betont der vfa-Vorsitzende: In ihrer Wertschöpfungskette von der Forschung über die Produktion bis zur Distribution schaffe sie auch in vor- und nachgelagerten Branchen hohe Beschäftigungs- und Wertschöpfungseffekte. Wenn man eine Industrie regulieren wolle, so müsse man zumindest all diese Auswirkungen zur Kenntnis nehmen.  

Doch dies geschieht nach Pfundners Geschmack in Deutschland bislang zu wenig. Zwar werde die Innovationskraft hierzulande gerne gesehen – dennoch würden die Rahmenbedingungen am Standort Deutschland immer unattraktiver. So seien auch die arzneimittelpolitischen Ergebnisse der Koalitionsverhandlungen „ernüchternd“. Ein flexibler Herstellerrabatt, der mindestens bei 6 Prozent liegt, aber je nach Kassenlage erhöht werden könne und eine Fortsetzung des seit 2009 geltenden Preismoratoriums sind für Pfundner nicht akzeptabel und müssen vom Tisch. Obwohl die Krankenkassen von einer Notlage weit entfernt seien, greife man zu einer Maßnahme, die die Branche gänzlich von der allgemeinen Preisentwicklung abkoppele. Vor allem den Mittelstand treffe dies hart. Auch ordnungspolitisch sei dieser Weg mehr als kritisch – Pfundner will daher durchaus darüber nachdenken, wie man gegen die Vorhaben vorgehen kann.

Eine Folge der schon fast dreieinhalb Jahre währenden Preisstopps sei, dass die Branche in Deutschland kein Wachstum mehr verzeichne. Ausgleich finde sich zwar über den Export. Aber Pfundner gibt zu bedenken, dass Deutschland ein Leit- und Referenzmarkt für Innovationen sei. Deshalb sei die Akzeptanz von Innovationen auf dem Heimatmarkt und ihr schneller Weg in die hiesige Versorgung auch ein wichtiges Signal für andere Länder. „Nicht nur ‚made in Germany‘, sondern auch ‚used in Germany‘ zählen im Ausland“, so Pfundner.

Ein Lichtblick für den vfa-Vorsitzenden ist das Abrücken der SPD- und CDU/CSU-Gesundheitspolitiker vom Bestandsmarktaufruf. Hierbei handelt es sich aus seiner Sicht um ein kostenfressendes Bürokratiemonster. Ein Dossier schlage bei den Herstellern mit einem Betrag zwischen einer halben und 1,5 Millionen Euro zu Buche. Hinzu kommen die Kosten, die beim IQWiG und dem Gemeinsamen Bundesausschuss anfallen. Künftig von dieser Art der Nutzenbewertung abzulassen, sei die richtige Entscheidung für die Selbstverwaltung, die Patienten und auch für die Industrie.     


Kirsten Sucker-Sket


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