Reaktivierte Hepatitis-B

Screening vor Rituximab-Behandlung

11.11.2013, 15:18 Uhr


In Verbindung mit dem monoklonalen Antikörper Rituximab (MabThera®) sind in der klinischen Praxis Fälle einer Hepatitis-B-Reaktivierung einschließlich fulminanter Hepatitis mit tödlichem Ausgang aufgetreten. Daher wurden die Empfehlungen bezüglich eines Hepatitis-B-Screenings vor Behandlungsbeginn geändert. Darüber informiert der Hersteller Roche jetzt in einem Rote-Hand-Brief.

Das Zytostatikum Rituximab ist ein gentechnisch hergestellter, monoklonaler, chimärer Immunglobulin-G1-Antikörper, der spezifisch gegen das B-Zell-Antigen CD20 gerichtet ist. Die Substanz wird zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis sowie bei verschiedenen onkologischen Indikationen eingesetzt. Dass die Behandlung mit Rituximab den Ausgang einer primären Hepatitis-B-Infektion verschlechtern kann, insbesondere bei Patienten, die zusätzlich eine zytotoxische Chemotherapie erhalten, wurde bereits vermutet. Darauf weisen Daten einer Studie zur Behandlung von Patienten mit rezidivierender/refraktärer chronisch lymphatischer Leukämie hin. Bisher wurde ein Hepatitis-B-Screening allerdings nur für Risikogruppen wie medizinisches Personal, homosexuelle Männer oder Anwender intravenös verabreichter Drogen empfohlen. Eine vor kurzem durchgeführte Analyse ergab einen Zusammenhang der Anwendung von Rituximab mit einer Hepatitis-B-Reaktivierung, sowohl bei Patienten mit einer aktiven Hepatitis-B-Infektion (Serologie: Hepatitis-B(HB)-Oberflächenantigen positiv), als auch bei Patienten mit einer ausgeheilten Infektion (Serologie: HB-Oberflächenantigen negativ, anti-HBc-Antikörper positiv). Daher wird nun bei allen Patienten in allen Indikationen vor Behandlungsbeginn mit Rituximab ein HBV-Screening empfohlen. Zudem sollte jeder Patient mit einer positiven HBV-Serologie vor Behandlungsbeginn mit Rituximab an einen Spezialisten für Lebererkrankungen überwiesen werden. Diese Patienten sollten während der Behandlung überwacht und angeleitet werden, um eine Hepatitis-B-Reaktivierung zu verhindern. Bisher war für Träger des Hepatitis-B-Virus und Patienten mit einer Hepatitis-B-Infektion in der Vorgeschichte lediglich empfohlen worden, sie während und für bis zu sieben Monate nach der Therapie mit Rituximab engmaschig zu überwachen; sowohl auf klinische Anzeichen als auch auf Laborwertveränderungen, die auf eine akute HBV-Infektion hinweisen. Patienten mit aktiver Hepatitis-B-Erkrankung sollten nach den Vorgaben der geänderten Fachinformation gar nicht mehr mit Rituximab behandelt werden.

Quelle: Rote-Hand-Brief vom 11.11.2013: MabThera® (Rituximab): Hepatitis-B-Virus-(HBV)-Screening vor Behandlungsbeginn;


Julia Borsch


Das könnte Sie auch interessieren

Hepatitis-Anamnese und serologische Testung sind zwingend

CD20-Antikörper können Hepatitis reaktivieren

Wie in der Rheumatherapie Infektionsrisiken durch Biologika verringert werden können

Löchriges Schutzschild

Untersuchung auf Hepatitis-Viren vor Behandlung notwendig

Tyrosinkinase-Inhibitoren reaktivieren HBV

Die Hepatitis B ist immer noch die häufigste Form der Virushepatitis

Von asymptomatisch bis Leberversagen