Klagen wegen Pradaxa-Nebenwirkungen

Boehringer setzt sich zur Wehr

Berlin - 10.10.2013, 17:20 Uhr


Boehringer Ingelheim steht wegen seines Gerinnungshemmers Pradaxa nun auch in Europa unter Beschuss. Medienberichten zufolge wollen in Frankreich vier Familien von zu Beginn dieses Jahres verstorbenen Patienten, die Pradaxa einnahmen, das Pharmaunternehmen wegen fahrlässiger Tötung verklagen. Bei Boehringer gibt man sich kämpferisch: „Wir beabsichtigen, uns gegen alle Produkthaftungsklagen zu Pradaxa energisch zur Wehr zu setzen“, so eine Sprecherin.

Der orale Thrombininhibitor Pradaxa (Dabigatran) wird zur Schlaganfallprävention bei Patienten mit nicht-valvulärem Vorhofflimmern eingesetzt. Als Gerinnungshemmer birgt das Arzneimittel ein Risiko für Blutungen – seit einiger Zeit wird es auch mit tödlichen Blutungskomplikationen in Zusammenhang gebracht. In den USA gehen spezialisierte Anwaltsbüros bereits mit Sammelklagen gegen Boehringer vor. Die Rede ist von mehr als 1000 Klagen von Pradaxa-Patienten mit Nebenwirkungen. „Wir werden uns mit allen uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten dagegen wehren“, heißt es hierzu bei Boehringer. „Durch dieses Procedere sind auch andere Pharma-Unternehmen schon gegangen“. Aus Frankreich liegen dem Unternehmen noch keine anwaltlichen Unterlagen vor.

Boehringer betont, Ärzten würden zur Sicherheit der Patienten klare und korrekte Informationen zum positiven Nutzen und den Risiken von Pradaxa an die Hand gegeben. Das bekannte Risiko für Blutungen müsse für jeden Patienten gegen das individuelle Schlaganfallrisiko abgewogen werden. Schließlich könne ein Schlaganfall eine schwere und dauerhafte Behinderung verursachen oder sogar tödlich sein. Boehringer verweist ferner darauf, dass sowohl die US-Arzneimittelbehörde FDA als auch die Europäische Arzneimittelagentur EMA die Vorteile sowie die Sicherheit von Pradaxa für Patienten mit Vorhofflimmern nochmals bestätigt hätten.

Apothekerinnen und Apotheker, an die sich besorgte Pradaxa-Patienten wenden, bittet Boehringer um Unterstützung. Sie sollten die Patienten darauf hinweisen, dass sie ihre Medikamente keinesfalls ohne vorherige Rücksprache mit ihrem Arzt absetzen sollten. Eine Unterbrechung der gerinnungshemmenden Therapie setze Patienten einem erhöhten Risiko für einen Schlaganfall aus. 


Kirsten Sucker-Sket


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