ABDA-Präsident Schmidt

Nirgendwo in Deutschland pharmazeutischer Notstand

Düsseldorf - 17.09.2013, 15:31 Uhr


„Trotz des Rückgangs der Zahl an Apotheken ist bisher nirgendwo in Deutschland der pharmazeutische Notstand ausgebrochen“, so ABDA-Präsident Friedemann Schmidt in einem Pressestatement der ABDA zum Apothekertag. Neue Versorgungsformen wie Videoapotheke oder Apothekenbus seien daher nicht notwendig.

Wer solche Versorgungsformen propagiere, „nimmt die Menschen in den betroffenen Regionen auf die Schippe“. Schmidt sieht in diesen Regionen kein logistisches, sondern eher ein „humanitäres“ Problem. Denn alte immobile Menschen bräuchten einen Ansprechpartner, der ihre Verhältnisse kennt und Kontakt zu Arzt und Pflegedienst halte. „Die nächstgelegene Apotheke ist die einzige vernünftige Antwort auf das Problem der Demografie und der Landflucht“, machte Schmidt deutlich.

Probleme sieht Schmidt dagegen schon eher beim pharmazeutischen Nachwuchs. Wie er auf Nachfrage in der Pressekonferenz ausführte, könnten die Absolventen des Pharmaziestudiums gerade so den Bedarf an Apothekerinnen und Apothekern decken. Aber nicht jeder Absolvent wolle im späteren Berufsleben das volle Arbeitspensum leisten. Dies hänge vor allem mit der zunehmenden Feminisierung des Apothekerberufs zusammen. Ein großer Frauenanteil  werde zwar in sozialen Berufen prinzipiell als positiv gesehen, aber hinsichtlich der Arbeitszeitvorstellungen gebe es hier andere Vorstellungen. Hinzu kommt, wie Schmidt ausführte, dass in Deutschland seit etwa zehn Jahren jährlich etwa 500 neue Stellen für Apothekerinnen und Apotheker geschaffen werden, davon etwa die Hälfte im Bereich der öffentlichen Apotheke, weshalb in Deutschland ein Überbedarf an Pharmazeuten besteht.

Wie der ABDA-Präsident dazu anmerkte, liegt Deutschland im EU-weiten Vergleich des Ausstattungsgrades mit akademisch ausgebildeten Apothekerinnen und Apotheker am unteren Ende, im weltweiten Vergleich „irgendwo zwischen Nepal und Pakistan“. Schmidt: „Wir haben also einen erheblichen Nachholbedarf, was den Versorgungsgrad mit akademisch qualifizierten Pharmazeuten angeht. Die Antwort müsste sein: Wir brauchen deutlich mehr Ausbildungsplätze!“ Nur so könne man in Zukunft den Standard in der Versorgung halten bzw. wettbewerbsfähig machen. „Insbesondere im Krankenhausbereich haben wir eine massive Unterversorgung mit Apothekerinnen und Apothekern“, gab Schmidt zu bedenken.


Peter Ditzel


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