Apothekenbus in Timmendorfer Strand

Vor-Ort-Apotheker und Bus präsentieren sich

Timmendorfer Strand - 22.08.2013, 15:43 Uhr


Heute besuchte der DocMorris-Apothekenbus den Urlaubsort Timmendorfer Strand an der Lübecker Bucht und präsentierte sich auf einem großen Parkplatz, der von Strandgästen und Supermarktbesuchern stark genutzt wird. Direkt gegenüber platzierten sich die ortsansässigen Apotheker ebenfalls mit ihren Ständen. Sowohl beim Stand der Vor-Ort-Apotheker als auch beim Bus informierten sich zahlreiche Besucher.

Max Müller, Chief Strategy Officer bei DocMorris, beschrieb den Bus gegenüber DAZ.online als Beitrag zur notwendigen politischen Diskussion über langfristige Versorgungskonzepte. Wenn beispielsweise in Niedersachsen mit einem Ärztebus experimentiert werde, könnten die Apotheker nicht einfach den Kunden anbieten: „Werft das Rezept in die Box.“ „Das können die Apotheker nicht wollen“, so Müller. Zugleich bedauerte er die heftigen Reaktionen einzelner Apotheker und wies Vorwürfe zurück, der Bus sei eine illegale Rezeptsammelstelle, denn „so blöd sind wir nicht“, meinte Müller ironisch. Dagegen äußerte sich Müller erfreut über die sachliche Diskussion mit den Apothekern in Timmendorfer Strand. „Dabei zeigt sich, dass wir gar nicht so weit voneinander entfernt sind“, so Müller, letztlich bestehe eine ganz natürliche Wettbewerbssituation. Nach Einschätzung von Müller könne ein Bus die „Rezeptsammelstelle des 21. Jahrhunderts“ mit ähnlichen Regularien werden. Dabei gehe es um die Versorgungssicherheit und nicht um die Mischkalkulation der Apotheken.

Kay Klindwort, der Apotheken in Timmendorfer Strand und Bad Schwartau betreibt, erklärte gegenüber DAZ.online, dass er zwar auf Sicht von zehn Jahren die Gefahr von Versorgungslücken sehe, aber nicht an das Bus-Konzept glaube. Er befürchtet, eine Bus-Regelung könnte juristisch so aufgeweicht werden, dass in unterversorgten Gebieten an jedem Kiosk Arzneimittel abgegeben werden dürften. Außerdem müsse die Unterversorgung dann genau definiert werden und es müsse klar sein, wo die für den Bus zuständige Apotheke angesiedelt sein darf. Für Versorgungslücken, in denen Rezeptsammelstellen nicht ausreichen, sei das bereits bestehende Instrument der Zweigapotheken besser geeignet, so Klindwort. Dagegen befürchtet er, über ein Bus-Konzept könnten Kapitalgesellschaften Zugang zum Markt erhalten und letztlich werde die Zahl der funktionierenden Apotheken vor Ort nicht größer.

Michaela-Alexandra Banzhaf verwies im Gespräch mit DAZ.online besonders auf die Gefahr, dass ein Bus, der Orte ohne Apotheke versorgen würde, den umliegenden Apotheken Umsätze entziehen würde und diese Apotheken dann kaputt gehen könnten. „So entstehen erst Versorgungslücken“, fürchtet Banzhaf. Letztlich sei ein Bus als kostenintensive Alternative für ein funktionierendes System nicht nötig, erklärte Banzhaf.


Dr. Thomas Müller-Bohn