Krankengeld, Reha, Hilfsmittel

Ablehnungsverhalten der Kassen in der Kritik

Berlin - 20.08.2013, 11:20 Uhr


Die gesetzlichen Krankenkassen lehnen jährlich in hunderttausend Fällen Anträge auf Krankengeld, Reha oder Hilfsmittel ab. Das geht aus Daten des Medizinischen Dienstes der Kassen (MDK) hervor. Während der Bundesgesundheitsminister vor „massenweisen“ Ablehnungen warnt, verweist der MDK auf rückläufige Zahlen bei den Negativbescheiden.

Nach Angaben der dpa gab es im vergangenen Jahr in rund 1,5 Millionen Fällen von den einzelnen Kassen initiierte MDK-Gutachten zu ärztlich festgestellter Arbeitsunfähigkeit. In 16 Prozent der Fälle urteilte der Medizinische Dienst, dass die Arbeitnehmer wieder arbeiten könnten. Bei fast 700.000 Prüfungen zu Reha-Leistungen kamen die MDK-Ärzte in 39 Prozent der Fälle zu dem Ergebnis: Voraussetzungen nicht erfüllt. Für Hilfsmittel wie etwa Hörgeräte wurden fast 500.000 Gutachten geschrieben – negative Urteile gab es bei 37 Prozent.

Die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Ulrike Mascher, sagte der Nachrichtenagentur, Patienten sollten sich „auf keinen Fall damit zufriedengeben, wenn der MDK ein Hörgerät über den Festbetrag ablehnt oder eine Reha-Leistung“. Problematisch sei, dass Entscheidungen zur Arbeitsunfähigkeit oft nach Aktenlage getroffen würden. „Bei Menschen mit psychischen Erkrankungen ist das fatal.“ Man könne Widerspruch einlegen, der behandelnde Arzt könne ein zweites Gutachten einfordern.

„Es darf nicht zu einer massenweisen Ablehnung kommen“, mahnte Bahr am Montag. Die Versicherten und Patienten hätten einen Anspruch auf Leistungen. Die Kassen forderte er zur Reaktion auf: „Das muss geprüft werden.“ Auch sein Ministerium werde sich dies ansehen. Die Gesundheitsexpertin der Linken, Martina Bunge, erklärte, es sei „ein Skandal, wenn die Krankenkassen notwendige Leistungen verweigern“. Grund sei die schwarz-gelbe Gesundheitspolitik, die die falsche Anreize schaffe und die Kassen „über unsinnige Zusatzbeiträge zu einem Überlebenskampf“ zwinge.

Aus Sicht von Peter Pick, Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen, bieten die aktuellen Zahlen allerdings keinen Anlass „für überzogene Interpretationen“. Die Statistik der letzten Jahre zeige eher eine rückläufige Tendenz: Die begutachteten Fälle seien seit 2010 bei Arbeitsunfähigkeit, Reha und Hilfsmitteln leicht gesunken. Die MDK habe 2012 weniger Arbeitsunfähigkeitsfälle als in den Vorjahren begutachtet – bei konstanten Ergebnissen. „Dies spricht dafür, dass die Begutachtungen sorgfältig und nach einheitlichen Kriterien durchgeführt werden“, konstatiert Pick.


Juliane Ziegler


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