Apotheken-Branchentest

„Stern“: Auf Deutschlands Arzneikrämer ist selten Verlass

Berlin - 13.08.2013, 15:11 Uhr


Sieben Branchen in sieben Wochen – so lautet die aktuelle Sommerserie des Magazins „Stern“. Handytarife und Restaurants waren schon an der Reihe. Jetzt hat sich der „Stern“ in der aktuellen Ausgabe die Apotheker vorgeknöpft: „Sie beraten oft schlecht. Sie drehen den Kunden teure und unsinnige Heilmittel an. Auf die Qualität deutscher Apotheker ist selten Verlass“, so der erwartungsgemäß kritische Vorspann. Dazu gibt der „Stern“ gratis Tipps, wie man sich als Kunde gegen die „akademischen Drogendealer“ besser zur Wehr setzen kann.

„Stern“-Autor Werner Hinzpeter hat nach eigenen Angaben „in mehr als 20 Apotheken“ verdeckt eingekauft und „durchweg ernüchternde Erfahrungen“ gemacht. Beim dreimaligen Kauf eines Asthma-Sprays mit dem Hinweis einer Erstverordnung habe er in keinem Fall eine Beratung erhalten. Auch Cortison und Antibiotikum seien ihm wortlos überreicht worden. Für einen grippalen Infekt seien ihm mehrfach „wissenschaftlich umstrittene Kombipräparate“ angeboten worden.

Als Kronzeuge der „Stern“-Anklage kommt an dieser Stelle wie kaum anders zu erwarten Gerd Glaeske ins Spiel. Wenn das so weitergehe mit den Apothekern, „verspiele der Berufsstand seine Existenzberechtigung“, malt der Bremer Professor schwarz. Unter der Überschrift: „Das können Sie sich sparen“ liefert Glaeske gleich eine Liste von Arzneimittel, die der Apotheker nicht empfehlen sollte. 12 Tipps zur besseren Beratung runden diesen Teil des Berichts ab.

Auf Seite 68 lächeltet dem „Stern“-Leser dann ABDA-Präsident Friedmann Schmidt aus seiner Leipziger Apotheke entgegen. Mit diesem „Arzneikrämer“ hat der „Stern“ natürlich auch gesprochen und Aussagen entlockt, die einigen seiner Kollegen wiederum das Lächeln gefrieren lassen könnten: Schmidt meine es offenbar ernst, im Berufsstand etwas verändern zu wollen, schreibt der „Stern“ lobend und zitiert den ABDA-Präsidenten: „Bei der fachlichen Innovation hat unser Berufsstand einen deutlichen Rückstand. International hängen wir bestimmt zehn Jahre hinterher.“

Der Apotheker müsse künftig „stärker als Teamplayer“ im Gesundheitswesen auftreten, fordert Schmidt. Sogar für die negativen Apotheken-Testergebnisse der Stiftung Warentest und der NDR-Sendung „Markt“, die der „Stern“ als Beleg für seine Apotheker-Schelte anführt, zeigt der ABDA-Präsident Verständnis: „Ich will nicht bezweifeln, dass die meisten Tests nach Regeln stattfinden, die man akzeptieren kann.“

Zwar gebe es bei der Beratungsmüdigkeit der Apotheker auch positive Entwicklungen: „Aber Sie sehen auch Dauerversager, die immer wieder durchfallen.“ Solche Töne vom obersten Standesvertreter dürfen nicht allen Kollegen gefallen. Allerdings zeigt Schmidt auch Verständnis für resignierte Apotheker. Viele Patienten wollten gar keine Beratung, lehnte diese mit der Begründung ab, „mein Bus fährt gleich“. Da könne es schon mal passieren, dass der Apotheker sein Engagement zurückfahre.

Aber nicht alles ist aus Sicht des „Stern“ schlecht im deutschen Apothekenwesen. Patienten könnten immerhin „ziemlich sicher sein, dass ihnen keine Fälschungen angedreht werden.“ Es gebe auch sehr viele „großartige“ Apotheker, die weder über Nachtdienste klagten und die vor allem deswegen wenig verdienten, „weil sie auf keinen Fall einträglichen Mist verkaufen wollen“.

Doch Mitleid mit den notleidenden Apothekern müsse man deswegen nicht haben, so das Fazit des „Stern“.  Die Zunft der Apotheker sei alles andere als unschuldig an ihrer Misere: „Wohl keine andere Branche des Einzelhandel verweigert sich so hartnäckig einer Modernisierung. Zu leiden hat der Verbraucher.“


Lothar Klein


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