Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

11.08.2013, 08:00 Uhr


Es tut sich was in Deutschlands Apothekerkammern und -verbänden. Sicher, noch nicht in allen, aber in einigen. Man denkt nach. Ja, darüber, ob die ABDA-Strukturen noch richtig sind so, wie sie sind. Es geht vor allem auch um Transparenz und Kommunikation. Und man fragt sich sogar: Ist die ABDA – das für Außenstehende sonderbare Konstrukt aus Kammern des öffentlichen Rechts einerseits und eingetragenen Vereinen andererseits – überhaupt noch zeitgemäß? Ist sie nur ein bürokratischer Wasserkopf oder sind wir in der Vergangenheit gut mit ihr gefahren? Mein liebes Tagebuch, alte Strukturen auf den Prüfstand stellen, hat noch nie geschadet.

5. August 2013

Alle Kammern und Verbände sind mit der Arbeit und den Strukturen der ABDA zufrieden und glücklich. Wirklich alle? Nein, ein kleiner Verband in der Mitte Deutschlands hat sich die Mühe gemacht und nachgedacht. Nachgedacht, über die Strukturen der ABDA, über den Haushalt der Apotheker-Dachorganisation und über die Transparenz. Der Hessische Apothekerverband (HAV) will auf dem kommenden Apothekertag zwei Anträge einbringen, die dazu dienen sollen, die Entscheidungsfindung und Beschlussfassung innerhalb der ABDA zu beschleunigen und effizienter zu gestalten. Dadurch sollen auch Sparpotenziale im ABDA-Haushalt und bei den Mitgliedsorganisationen erschlossen werden. Mein liebes Tagebuch, man kann dem HAV für diesen ersten Schritt nur danken. Verkrustete und eingefahrene Strukturen auf den Prüfstand zu stellen, hat noch nie geschadet. Im Falle ABDA wird es höchste Zeit, denn im Lauf der Jahre hat die Transparenz dieser Organisation irgendwie nachgelassen, sie ist trüber geworden. Höchste Zeit für einen neuen Schliff. Der HAV erwähnt auch die mangelnde Transparenz bei den zahlreichen Projekte, die von der ABDA organisiert, finanziert und unterstützt werden (z. B: ABDA-KBV-Modell, Securpharm, CHF-Studie). Auch hier: Schön wäre es, wenn die Berufsöffentlichkeit, wie es der HAV vorschlägt, zweimal jährlich über den aktuellen Stand informiert wird. Mein liebes Tagebuch, wir sind gespannt auf den diesjährigen Apothekertag.

Seltsam allerdings, dass ein solcher Antrag in dieser Deutlichkeit bisher nur von einem Verband kommt. Sind alle anderen Kammern und Verbände wirklich zufrieden mit der ABDA-Arbeit? Gibt es wirklich keine Verbesserungswünsche? Sieht man dort keine Intransparenz?
Halt, eine Kammer hoch oben im Norden, verwöhnt von frischem Küstenwind, klarer Sicht und mit Weitblick, hat sich auch zu Wort gemeldet. Die Apothekerkammer Schleswig-Holstein hat bereits vor fast einem Jahr eine Resolution verabschiedet zur Modernisierung der ABDA-Strukturen. Nur, getan hat sich bisher nichts. Schon fast ein Jahr lang wartet die nördliche Kammer auf eine Antwort von der ABDA  – und wartet und wartet und ... Sorry, ABDA in Berlin, das kann’s nicht sein.

Ja, und nicht zu vergessen die Kammer Nordrhein, ganz frivol, möchte den ABDA-Präsidenten in Zukunft auf dem Apothekertag vom Plenum wählen lassen. Dazu müsste die ABDA-Satzung geändert werden. Einen entsprechenden Antrag haben die Nordrheiner bereits für den Apothekertag vorbereitet. Damit nicht genug, auch die ABDA-Struktur als solches sei zu hinterfragen, so die Kammer Nordrhein. Ja, da tut sich was! Mein liebes Tagebuch, das könnte ein Frühlingserwachen im Herbst werden.

6. August 2013

Die Folgen der Rabattverträge werden – wie vorhergesagt ­– immer deutlicher: Die Anbietervielfalt schrumpft, die Marktkonzentration nimmt zu. Einer aktuellen Studie zufolge teilen sich bei den gängigen Antibiotika Amoxicillin, Doxycyclin und Cefuroxim nur noch drei Unternehmen den Markt. Anbieter, die von den Kassen keinen Zuschlag bekommen haben, fahren ihre Produktion zurück. Und die, die im Geschäft sind, können den Bedarf nicht wirklich planen. Außerdem: fällt ein Lieferant aus, können andere kurzfristig nicht einspringen. Hinzukommt, dass nahezu alle Antibiotika heute im fernen Ausland produziert werden, vor allem in China und Indien. Mein liebes Tagebuch, irgendwie ist das ein ungutes Szenario. Wettbewerb mag ja schön und gut sein, aber wenn er bis zum Exzess getrieben wird wie durch die Rabattverträge, dann erledigt sich der Markt bald von selbst. Der „Dank“ dafür geht an Christopher Hermann, dem Chef der AOK-Baden-Württemberg. Wir haben ihn zum "Mister Rabattvertrag" gewählt.

Auf die Frage, ob man am Fremd- und Mehrbesitzverbot festhalten wolle, kam von den Grünen vor kurzem ein deutliches Jein mit Tendenz zum Nein. Jetzt hat die SPD, auf Nachfrage der Apothekengewerkschaft Adexa, auf diese Frage mit „Ja“ geantwortet. Nicht mehr und nicht weniger. Hhmm, mein liebes Tagebuch, ist das genug? Hätte man sich da nicht noch ein paar bekräftigende Worte hinterher gewünscht, die den Wert des Fremd- und Mehrbesitzverbots hervorheben? Vor allem, nachdem sich der Kanzlerkandidat erst unlängst äußerst verschwommen dazu äußerte. Ach ja, liebes Tagebuch, mal ehrlich, ein einfaches „Ja“ mag vor dem Standesamt genügen, aber von dieser Partei ist mir das zu wenig. 

Oh, oh, während wir rollende Apotheken noch für Kokolores halten und darüber diskutieren, ob wir dann eine Apothekenbusbetriebsordnung bräuchten und ob die PTA den Bus dann alleine fahren dürfte, läuft bei den Ärzten bereits ein Modellprojekt: die rollende Arztpraxis – für die Versorgung ländlicher Regionen mit Arztmangel. Kein Witz! Unter Beteiligung von AOK, BKK, KV Niedersachsen, dem Landkreis Wolfenbüttel, einem Institut für medizinische Informatik der TU Braunschweig und dem Autohersteller Volkswagen wurde in einen VW Lieferwagen eine Arztpraxis eingebaut, die technisch mit der Hausarztpraxis vor Ort vernetzt ist. Hausärzte, die sich aufwendige Hausbesuche nicht leisten können oder wollen, beauftragen ihre mobilen Kollegen mit den Besuchen auf dem Land. Die TU begleitet und evaluiert das Projekt. Dem Vernehmen nach können die Rezepte aus der rollenden Praxis heraus auf Wunsch an den Zustelldienst ordermed gesandt werden, der sie der nächsten angeschlossenen Apotheke weiterleitet. Bis Ende 2014 läuft das Projekt, dann wird man sehen, ob es angenommen wird. Das interessiert uns, mein liebes Tagebuch. Ob dann ein Folgeprojekt gestartet wird, das den rollenden Apothekenbus erprobt? Vielleicht unter Beteiligung von DKV und TK, DAV und dem Omnibushersteller Mercedes und der TU Stuttgart? 

Da hat er einen dicken Stein ins Wasser geworfen: ABDA-Vize Mathias Arnold forderte in einem Interview mit der „Welt“ ein Beratungshonorar für den Apotheker, unabhängig vom Verkauf einer Arzneipackung. Er schaute dabei in die Zukunft, in der dem Apotheker, so seine Vision, eine verstärkte Beraterfunktion zukommen wird: Es sollten auch Leistungen des Apothekers honoriert werden, die nicht direkt an die Packung geknüpft sind. Wie wahr. Und wie reagierte unser Gesundheitsminister darauf? Da sei er zurückhaltend, ließ Bahr und wissen, zog sich auf die Gemeinwohlpflichten des Apothekers zurück und verwies auf eine dann drohende Debatte über Apothekenketten, da sich das Fremdbesitzverbot aus den Gemeinwohlpflichten begründe. Mein liebes Tagebuch, irgendwie sind wir als Apotheker doch immer die Gelackmeierten, oder? Es gibt heute schon – und in Zukunft erst Recht – Leistungen, die sich einfach nicht an den Verkauf einer Schachtel knüpfen lassen. Warum will das die Politik nicht einsehen? Warum will sie den Sachverstand der Apotheker hier nicht nutzen und das Know how dem Patienten vorenthalten? Ist die Drohung mit der Apothekenkette das Totschlagargument für jeden neuen Ansatz? Mein liebes Tagebuch, so darf es nicht weitergehen. Wenn man das Wissen des gut ausgebildeten Apothekers zum Wohl der Patienten einsetzen möchte – und hier gibt es zahlreiche Ansätze wie Arzneitherapiesicherheit, Medikationsmanagement und andere –, dann muss eine offene  Diskussion über neue  Vergütungsformen möglich sein. Und die Kettenkeule bleibt im Sack!

7. August 2013

Piep, piep, piep, er hat uns lieb. Mindestens gleich lieb wie alle anderen Leistungserbringer. Sagt Johann-Magnus von Stackelberg, seines Zeichens stellv. Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbands. Wenn es mal im Beziehungsgeflecht zwischen Kassen und Apothekern knirsche, so der GKVler, dann nicht mehr und nicht weniger als bei den anderen, mit denen man Verträge aushandele. Aber Vorsicht, ganz so lieb hat er uns dann doch nicht. Wie er im DAZ-Interview durchblicken lässt, sollten „alte Standesregelungen durchaus hinterfragt werden, wobei er zum Beispiel an die Beschränkung auf die inhabergeführte Apotheke denkt. Er versteht nicht, warum ein Apotheker nur vier und nicht zehn oder zwanzig Apotheken besitzen soll. Aha, liebes Tagebuch, so einer ist er also. Wettbewerb um jeden Preis. Na, bei den Ärzten geht’s doch auch, meint er und führt an, dass es neben der Einzelpraxis auch Medizinische Versorgungszentren gebe. Als ob man das vergleichen kann.
Allerdings, das muss man ihm zugute halten, ist er offen für neue Apothekeraufgaben. Im ärztlichen Bereich gebe es die Schwester Agnes auf dem Land, die Blutdruck misst oder Blut abnimmt. Ja, Herr von Stackelberg, sie wünschen Vorschläge von uns Apothekern? Na klar, da sind wir doch gerne dabei. Wir können uns sehr gut den Apothekerbruder Benedikt vorstellen, der im ländlichen Raum, wo es Ärztemangel gibt, kleine Diagnosen stellt, impft und ein paar Blutparameter bestimmt, das Medikationsmanagement übernimmt und die Hausapotheken kontrolliert. Wann können wir uns zusammensetzen und die Honorarvergütung besprechen?

Eine wirklich lesenswerte Analyse in der letzten DAZ: Wo ist eigentlich das bisschen Mehr an Honorar für den Apotheker gelandet? Nein, nicht in der Anschaffung eines neuen SUV oder beim Mitgliedsbeitrag für den Golfclub, wie böse Zungen meinen könnten, sondern bei den – wirklich berechtigen – Gehaltserhöhungen für die Angestellten. Das sollte die Politik und alle, die den Apothekern große Einkommen nachsagen, zur Kenntnis nehmen.

8. August 2013

Interessante Analyse, die da die Apobank vorstellte: Auf dem Land gab es im letzten Jahr kaum noch Neugründungen. Nur drei Prozent der Apothekengründungen fanden im vergangenen Jahr in ländlichen Regionen statt. Wenn ein Pharmazeut den Schritt in die Selbstständigkeit wagte, dann in einer Klein- oder gleich in einer Großstadt. Und dann meist dort, wo eine neue Infrastruktur entstand, beispielsweise in Shoppingzentren oder Ärztehäusern. Für eine neue Apotheke musste man 2012 im Durchschnitt gut eine halbe Mio. Euro auf den Tisch legen bzw. finanzieren, für eine Filiale etwa gut 400.000 Euro. Ja, mein liebes Tagebuch, im Apothekenmarkt gab es schon mal bessere Zeiten.

9. August 2013

Wieder mal beanstandete ein Gericht die Werbung einer easy-Apotheke. Auf ihrer Internetseite warb die Discount-Apo mit dem Slogan „easyApotheke.de. Das beste Mittel gegen teuer.“ und „Schön, wenn man Marken billiger kriegt!“ ohne darauf hinzuweisen, dass für Rx-Arzneimittel feste Preise gelten. Tja, so geht’s nicht, meinte das Oberlandesgericht Celle, das sei irreführend. „Durch die beanstandete Werbung gewinnen die angesprochenen Verkehrskreise den Eindruck, auch verschreibungspflichtige Arzneimittel seien günstiger als bei konkurrierenden Unternehmen.“ Und so untersagte das Gericht diese konkrete Art der Werbung. Die Werbung müsse darauf hinweisen, dass Rx-Arzneimittel feste Preise haben. Recht so.

Und zum Schluss, ein Häppchen aus der Gerüchteküche: Wird Elmar Esser, der Vor-vor-ABDA-Sprecher, als neuer ABDA-Sprecher reaktiviert? Hört man in die Szene hinein, wird schon darüber gemunkelt. Derzeit ist er bereits für die Pressearbeit der Expopharm zuständig. Für die ABDA brächte er den Vorteil mit: er kennt den Laden. Aber wie gesagt, es sind Gerüchte.

 


Peter Ditzel


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