Wettbewerb

Ein Pfund Kaffee Crema und eine neue Zahnkrone, bitte

Hamburg - 05.08.2013, 16:19 Uhr


Der Wettbewerb schlägt immer verrücktere Kapriolen. Nur Kaffee zu verkaufen, ist dem Kaffeeröster Tchibo schon seit vielen Jahren zu wenig. Jetzt bietet er sogar Zahnersatz aus Manila an.

Ein Riesensortiment - angefangen bei Haushaltswaren, Nahrungsergänzungsmitteln und Kosmetik über Reisen bis hin zu Mobilfunk, Blumen, Ökostrom und Gas findet sich im Sortiment des Unternehmens. Seit geraumer Zeit mischt der Kaffeeröster auch beim Zahnersatz mit – zusammen mit dem Dentallabor Novadent bietet er zu Niedrigpreisen Kronen, Brücken und herausnehmbaren Zahnersatz, gefertigt in Manila. Deutsche Zahnärzte und Dentallabore sind entsetzt.

Das Geschäft mit dem Zahnersatz bei Tchibo läuft so: Der Kunde, der einen Zahnersatz benötigt, erwirbt bei Tchibo die Novadent ZahnersatzCard für 24 Euro, praktisch eine Art Vermittlungsgebühr. Diese berechtigt ihn zwei Jahre lang, den günstigen Zahnersatz über Novadent zu erwerben.

Stellt der Zahnarzt des Patienten fest, dass Zahnersatz notwendig wird, möge der Patient nachfragen, ob er auch mit Novadent zusammenarbeitet. Lehnt der Zahnarzt ab, „benennt Ihnen Novadent gern Praxispartner, die Ihnen die Nutzung der ZahnersatzCard ermöglichen“, heißt es auf der Novadent-Seite. Der Zahnersatz werde in Manila auf den Philippinen gefertigt und in einem Hamburger Labor nachkontrolliert. Die Herstellung dauere etwa 14 Tage.

Deutsche Zahnärzte und Dentallabore äußern sich entsetzt über das Vorgehen des Kaffeerösters. Wettbewerber gehen mit einstweiligen Verfügungen gegen Tchibo vor, ein Zahntechniker in Krefeld verteilte medienwirksam Kaffeepakete in der Fußgängerzone, berichtet die „Stuttgarter Zeitung“.

Der Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, Dietmar Österreich, wehrt sich dagegen, dass Gesundheit wie eine Ware vermarktet wird. Ob ein Patient Zahnersatz benötige, könne kein Kaffeeröster entscheiden, sondern nur der Zahnarzt.

Wie sich die Tchibo/Novadent-Zusammenarbeit entwickelt, ist offen. Derzeit sollen in Deutschland von den rund 54.000 Zahnärzten nur rund 1000 mit Novadent zusammenarbeiten. In vielen Fällen müsste der Patient also seinen Zahnarzt wechseln.


Peter Ditzel


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