Barmer GEK

"Arzneimittelmarkt braucht Kostenbremsen"

Berlin - 11.06.2013, 14:15 Uhr


Die Barmer GEK hat die Arzneimittelausgaben im Blick. Dass sie derzeit noch nicht aus dem Ruder laufen, führt die Kasse auf die bestehenden Kostenbremsen zurück: Vor allem das Preismoratorium und der erhöhte Herstellerrabatt wirken – jedenfalls noch bis Ende dieses Jahres. Aber auch die Rabattverträge helfen sparen. Künftig will die Barmer GEK auch Mehrpartnerverträge abschließen.

Blickt man auf die Arzneimittelkosten, so war 2012 ein „zufriedenstellendes Jahr“, meint Dr. Rolf-Ulrich Schlenker, Vize-Vorstandschef der Barmer GEK. Die Ausgaben seiner Kasse stagnierten – wenn auch mit rund 4,4 Mrd. Euro auf hohem Niveau. Für 2013 rechnet Schlenker wieder mit einem Plus von etwa 4,1 Prozent. Dass sich die Lage bei den Arzneimitteln in jüngster Zeit entspannt hat, habe seine Ursache in den Kostenbremsen: Zum einen dem 16-prozentigen Herstellerrabatt auf Nicht-Festbetragsarzneimittel und dem Preisstopp, die bereits seit August 2010 wirken, zum Jahresende jedoch auslaufen sollen – so sieht es das Gesetz vor. Doch Schlenker fordert, diese Zwangsmaßnahmen auf fünf Jahre auszuweiten. Anderenfalls werde es 2014 für die Kassen dramatisch. Jedenfalls müssten die beiden Instrumente so lange in Kraft bleiben, bis auch der Bestandsmarkt teilweise einer Nutzenbewertung unterzogen wurde. Denn die Folgen der frühen Nutzenbewertung neuer Arzneimittel sind für die Kassen noch nicht wirklich spürbar. Von den anstehenden Nutzenbewertungen im Bestandsmarkt verspricht sich die Barmer GEK mehr.

Verwundert zeigte sich Schlenker über die jüngste Entscheidung der Regierungskoalition, das Wirtschaftlichkeitsgebot bei der zweckmäßigen Vergleichstherapie entfallen zu lassen und ein „Bestimmungsrecht der Pharmaindustrie“ zuzulassen. Die Frage der Wirtschaftlichkeit soll künftig nur noch im Rahmen der Erstattungsbetragsverhandlungen zum Tragen kommen – bewusst will Schwarz-Gelb Nutzenbewertung und anschließende Preisverhandlung entkoppeln. Schlenker rechnet damit, dass diese Änderung zu einer Verteuerung auf der Preisebene führen wird. Auch dies ist für ihn ein Grund, die Zwangsmaßnahmen zulasten der Industrie noch weiter laufen zu lassen.

Die Rabattverträge, die die Barmer GEK erst seit Ende 2011 öffentlich ausschreibt, helfen hingegen sparen. Rund 250 Wirkstoffe hat die Kasse mittlerweile unter Rabattvertrag. Schlenker beziffert das Volumen auf 1,4 Milliarden Euro, die Einsparungen auf 300 Millionen Euro. Und er kündigte an, bei den Ausschreibungen etwas zu ändern. Bislang setzte die Kasse ausschließlich auf Exklusivverträge. Künftig soll – „wenn es sich pharmakologisch anbietet“ – das Mehrpartnermodell zum Zuge kommen. Dies könne die Versorgungssicherheit erhöhen und überdies auch die Rabattquote steigern.


Kirsten Sucker-Sket


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