Niedersächsischer Apothekertag

Zukunft mit Medikationsmanagement

10.06.2013, 13:49 Uhr


Etwa 550 Besucher nahmen am Wochenende am Niedersächsischen Apothekertag in Wolfsburg teil und erlebten ein buntes fachliches und berufspolitisches Programm. Complianceförderung und Medikationsmanagement bildeten am zweiten Veranstaltungstag einen inhaltlichen Schwerpunkt neben der Rede von ABDA-Präsident Friedemann Schmidt. Damit steckte auch in der Wahl der angebotenen Fortbildungsthemen eine berufspolitische Aussage. Denn die Teilnehmer sollten motiviert werden, neue Beratungs- und Betreuungskonzepte im Apothekenalltag anzuwenden.

Prof. Dr. Kurt Hersberger, Basel, betrachtete die Therapietreue differenziert. Das größte Problem sei die Persistenz, denn viel mehr Patienten würden ganz mit einer Arzneitherapie aufhören, als sie nur schlecht auszuführen. Große Bedeutung habe schon der erste Bezug eines neuen Arzneimittels, bei der jeder Patient das Therapieziel kennen müsse. In Großbritannien werde eine strukturierte Beratung zu einer neuen Medikation als „New Medicine Service“ besonders honoriert. Allerdings riet Hersberger zur dauerhaften engmaschigen Betreuung, denn der Effekt compliancefördernder Maßnahmen sei nur nachweisbar, solange diese Dienstleistung andauert. Als Maßnahmen nannte Hersberger insbesondere Therapievereinfachungen, klar strukturierte Einnahmezeitpunkte und Applikationshilfen. Hilfsmittel zur Applikation, aber auch Arzneimittelkassetten sollten in Apotheken sichtbar präsentiert werden.

Weiter als einzelne Maßnahmen zur Förderung der Compliance reicht das systematische Medikationsmanagement, das Karin Berger, Berlin, vorstellte. Es sei prospektiv angelegt und versuche, mögliche Probleme vorab zu erkennen. Doch „es gibt nicht das eine Medikationsmanagement“, erklärte Berger, denn dies hängt insbesondere von der jeweiligen Datengrundlage ab. Berger riet, das gesamte Apothekenteam einzubinden, denn alle sollten erkennen: „Dies ist unsere Zukunft.“ Für die dringend angeratene Kooperation mit den Ärzten sei Offenheit nötig. Berger empfahl, die Ärzte vorab in die Patientenauswahl einzubinden, einen Konsens über die Vorgehensweise zu vereinbaren und insbesondere die Kommunikationswege zu klären, anstatt sich erst beim Auftreten arzneimittelbezogener Probleme erstmals zu melden. Als werthaltige Dienstleistung müsse das Medikationsmanagement honoriert werden. Es dürfe keine langfristigen Angebote ohne einen Preis geben. In der Diskussion wurde dies noch deutlicher herausgearbeitet. Denn eine Leistung, die die Zukunft bedeutet, müsse nicht nur einen Deckungsbeitrag, sondern eine Gewinnspanne liefern.

In die gleiche Richtung geht auch die Einschätzung des stellvertretenden Vorsitzenden des Landesapothekerverbandes Niedersachsen, Berend Groeneveld. Als Fazit aus dem Niedersächsischen Apothekertag erklärte er gegenüber DAZ.online: „Unsere Zukunft wird pharmazeutisch entschieden, sie muss aber honoriert werden.“


Dr. Thomas Müller-Bohn


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