Niedersächsischer Apothekertag

Großes Interesse an künftiger ländlicher Versorgung

Wolfsburg - 08.06.2013, 19:33 Uhr


In ihrem Grußwort beim Niedersächsischen Apothekertag, der am Samstag in Wolfsburg begann, zeigte sich die Gesundheits- und Sozialministerin des Landes, Cornelia Rundt, sehr verständnisvoll für die Belange der Apotheker. Diese stünden weltweit an der Basis der Gesundheitsfürsorge, erklärte Rundt. Sie nähme das große Engagement der Apotheker in Deutschland wahr, das nicht immer unter einfachen Bedingungen stattfände. Denn mancher Unmut über das schwierige Gesundheitssystem treffe die Apotheker, so die Ministerin.

Zur aktuellen Entwicklung erklärte Rundt, sie begrüße das ANSG als weiteren Schritt zum Erhalt der flächendeckenden Arzneimittelversorgung. Zur praktischen Umsetzung verwies sie auf die Forderung der Länder, nach einem Jahr einen Erfahrungsbericht vorzulegen. Das Interesse an der Versorgungssicherheit war der Ministerin deutlich anzumerken, denn sie zog das Fazit: „Ich denke, dass die Zeit im ländlichen Raum davonläuft.“

Diese Einschätzung passte auch zum herausragenden Thema des ersten Veranstaltungstages des Niedersächsischen Apothekertages, dem demographischen Wandel. In seinem Festvortrag bei der Eröffnung der Tagung stellte der Berliner Demograph Dr. Harald Michel die massiven Veränderungen vor, die im Bevölkerungsaufbau in Deutschland und anderen Industrieländern zu erwarten sind. Treffender als Überalterung sei die Bezeichnung „Unterjüngung“, weil die Zahl der jungen Menschen abnehme. Die Entwicklung sei nicht zu stoppen. Vielmehr müsse die Politik sich daran anpassen. „Der erste Schritt ist Wahrhaftigkeit in der Analyse“, so Michel. Da eine schrumpfende Gesellschaft Neuland sei, gebe es dafür keine Blaupause. Stattdessen seien flexible Lösungen auf regionaler Ebene gefragt.

Nach dem Festvortrag diskutierte Michel mit den Gastgebern des Apothekertages über die Konsequenzen für die Apotheken. Magdalene Linz, Präsidentin der Apothekerkammer Niedersachsen, hob die Leistungen der Landapotheken hervor. Sie betonte, dass wichtige Leistungen zur Versorgung in der Fläche wie der Botendienst ohne zusätzliche Honorierung erfolgen würden, und regte an, über ein mögliches Honorar nachzudenken. Heinz Günter Wolf, Vorsitzender des Landesapothekerverbandes Niedersachsen, erklärte, die Infrastruktur in der Fläche dürfe nicht zurückgebaut werden. Die Leute hätten Anspruch auf eine Apotheke. Dazu gehöre auch eine Versorgung in „Puschen-Entfernung“, zumal ältere Patienten oft nicht mehr Auto fahren könnten. In solchen Fällen müsse die Apotheke zum Patienten kommen. Doch eine Honorierung sei dafür bisher nicht vorgesehen, gab Wolf zu bedenken. Möglicherweise können diese Äußerungen der Berufspolitiker zu einem Startsignal für die Diskussion über eine neue „Honorar-Baustelle“ werden, nämlich die Honorierung spezieller Versorgungsleistungen für Patienten außerhalb der Apotheke.


Dr. Thomas Müller-Bohn


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