Gesundheitsforschung

Geldspritze für Präventions- und Ernährungsforschung

Berlin - 04.06.2013, 17:34 Uhr


Die Gesundheitsforschung zu fördern, hat sich die Bundesregierung auf die Fahne geschrieben. Mit dem im Dezember 2010 verabschiedeten „Rahmenprogramm Gesundheitsforschung“ wurden die Themen abgesteckt – der Schwerpunkt liegt auf der Erforschung der Volkskrankheiten. Zudem gibt es diverse weitere Schwerpunkte – einer hiervon ist die Präventions- und Ernährungsforschung. Heute stellte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka den Aktionsplan für dieses Feld vor.

In der Gesundheitsforschung geht es der Bundesregierung zum einen um neue oder bessere Diagnoseverfahren und Therapien – so gibt es etwa ein Maßnahmenpaket zur Forschungsförderung der individualisierten Medizin. Zudem wurden sechs Zentren zur Erforschung der großen Volkskrankheiten errichtet. Es werden aber neue Ansätze und Wege gesucht, die dazu beitragen, Krankheiten gar nicht erst entstehen zu lassen. Schließlich wird die Bevölkerung immer älter – und dabei muss es Ziel sein, dass die Menschen so lange wie möglich gesund bleiben. Doch in den vergangenen Jahrzehnten haben die chronischen Erkrankungen beständig zugenommen.

Der heute präsentierte Aktionsplan Präventions- und Ernährungsforschung benennt zum einen kurzfristige Ziele, die in den kommenden fünf Jahren erreicht werden sollen. Dies ist zum einen die Stärkung und Vernetzung der biomedizinischen und epidemiologischen Grundlagenforschung – dazu zählt etwa der Aufbau der "nationalen Kohorte", eine Langzeit-Bevölkerungsstudie, die Risikofaktoren für Volkskrankheiten aufdecken soll. Zudem soll die Präventionsforschung gestärkt werden, um die Evidenz von Prävention und Gesundheitsförderung zu verbessern. Nicht zuletzt soll eine international wettbewerbsfähigen Ernährungsforschung aufgebaut werden. Bei allen Punkten setzt das Bundesforschungsministerium auf interdisziplinäre Zusammenarbeit in Forschungsverbünden und Clustern. Am Ende sollen nicht nur interessante Forschungsergebnisse stehen, so Wanka, sondern auch Ideen, wie diese in den Alltag eingebracht werden können.

Professor Adelheid Kuhlmey, Direktorin des Instituts für Medizinische Soziologie der Charité, betonte, dass es im Bereich der Prävention ein riesiges, noch nicht gehobenes Potenzial gebe. Dies müsse auch ins Bewusstsein aller Gesundheitsprofessionen gelangen. Studien zeigten, dass selbst im hohen Lebensalter durch Umstellungen im Lebensstil viel erreicht werden könne. Dies gelte insbesondere für die regelmäßige Bewegung, die sich nicht nur körperlich, sondern auch kognitiv positiv auswirkten.

Aus Sicht von Professor Hans-Georg Joost, wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung in Potsdam, wird die Prävention nach wie vor unterschätzt. Zwar wisse man viel über gesunde Lebensweisen – doch an der Umsetzung hapert es. Soll etwa jemand seine Ernährung entgegen seiner endogenen – oder auch kulturellen – Präferenzen umstellen, bleibt dies häufig ohne Erfolg. Joost hofft, dass der Aktionsplan helfen kann. Zudem: Im Bereich der Ernährung gebe es zwar viele Assoziationen – etwa: wer kein rotes Fleisch isst, leidet seltener unter Darmkrebs und Diabetes – sehr häufig fehle aber der Kausalitätsnachweis. Mehr Forschung wäre hier sicherlich hilfreich. 

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung wird im Zeitraum 2013 bis 2016 zur Umsetzung des Aktionsplans bis zu 125 Millionen Euro für interdisziplinäre Forschungs- und Entwicklungsprojekte zur Verfügung stellen. Für die gesamte Gesundheitsforschung – die unter dem Dach der High-Tech-Strategie der Bundesregierung steht – stehen für die Jahre 2011 bis 2014 rund 5,5 Milliarden Euro bereit.

Weitere Informationen finden Sie unter:

Aktionsplan Präventions- und Ernährungsforschung (pdf)


Kirsten Sucker-Sket


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