Pro Generika zum neuen Melderegister

Register löst nur Informations-Engpässe

Berlin - 26.04.2013, 13:23 Uhr


Im neuen Melderegister für Arzneimittel-Lieferengpässe auf der Webseite des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte können Pharmaunternehmen ab sofort freiwillig über Engpässe informieren. Der Branchenverband Pro Generika trägt das Register zwar mit – die grundsätzlichen Problem löse es allerdings nicht, betonte Verbandsgeschäftsführer Bork Bretthauer.

Die noch leere Liste und ein pdf-Formular zur elektronischen Meldung von Engpässen ist seit heute auf der Webseite des BfArM zu finden. Die Behörde informiert, dass die Liste sowohl Arzneimittel umfasst, die in seine eigene Zuständigkeit fallen als auch solche, für die das Paul-Ehrlich-Instiut zuständig ist. Das BfArM betont überdies, dass die Informationen direkt vom Zulassungsinhaber des entsprechenden Arzneimittels stammen; ihre Richtigkeit könne nicht überprüft werden.

Bretthauer gesteht dem Register zu, dass es transparent machen kann, welches Ausmaß Lieferunfähigkeiten tatsächlich haben. „Damit kann eine Datengrundlage geschaffen werden, die über die bislang ‚anekdotische Evidenz‘ hinausgeht, die die mediale Debatte der letzten Monate bestimmt hat“. Doch der Pro Generika-Geschäftsführer betont auch, dass das Register allenfalls den Engpass „Information“ löse – nicht aber die konkreten Ursachen von Engpässen. Zu diesen gehöre neben einer steigenden globalen Nachfrage nach Arzneimitteln auch der Umstand, dass es für einige Arzneimittel nur noch sehr wenige Anbieter gebe. Bretthauer verweist auf US-Studien, wonach jeder zweite Engpass darauf zurückzuführen sei, dass das betreffende Arzneimittel nur noch von zwei oder gar einen Unternehmen angeboten wird.

Ein wesentlicher Grund dieser Marktverengung sei der enorme Preis- und Rabattdruck auf Generika. „Deshalb muss die gesundheitspolitische Kostendämpfung da auf den Prüfstand, wo sie maßgeblich Marktverengung befördert“, so Bretthauer. Doch nicht nur die Rabattverträge sieht er kritisch. Auch im Klinikbereich müsse ein Umdenken stattfinden. „Es läuft etwas falsch in Deutschland, wenn (Klinik-)Apotheken für lebensrettende Generika zur Krebsbekämpfung real weniger aufwenden, als ein Cappuccino am Hauptbahnhof kostet“. 


Kirsten Sucker-Sket


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