Schmidts Agenda

Patientenorientierung und öffentliche Präsenz

Rostock - 11.04.2013, 11:12 Uhr


„Unser Geschäftsmodell stößt an seine Grenzen“, erklärte ABDA-Präsident Friedemann Schmidt bei der Mitgliederversammlung des Apothekerverbandes Mecklenburg-Vorpommern und warb für die patientenorientierte Pharmazie und die „endgültige Positionierung des Apothekers als ratgebender Beruf“ als Ziele der Apotheker.

Bei der Veranstaltung am 10. April in Rostock, an der neben etwa 120 Verbandsmitgliedern auch vier Bundestagsabgeordnete aus dem Gesundheitsausschuss teilnahmen, bezeichnete Schmidt die sinkende Apothekenzahl als größtes Problem der Apotheker. Er hoffe, dass der Rückgang sich etwas verlangsame, auch wenn die jüngste Honoraranpassung unzureichend gewesen sei. Neben wirtschaftlichen Ursachen werde aber auch das „eklatante Nachwuchsproblem“ zu einem weiteren Rückgang der Apothekenzahl führen. Denn ein Drittel der Apotheker sei über 55 Jahre alt, in Sachsen sei ein Drittel der Apothekenleiter sogar über 65 Jahre alt. Doch das Interesse des Berufsnachwuchses an der öffentlichen Apotheke sinke. Als weiteren Trend bei den Apotheken nannte Schmidt die zunehmende Differenzierung der Apotheken, auch hinsichtlich der wirtschaftlichen Ergebnisse. Dies mache es für die Berufspolitik immer schwieriger, einen Konsens für eine gemeinsame Interessenvertretung zu finden.

Für die Zukunft forderte Schmidt, die berufspolitischen Aussagen nicht auf die Ökonomie zu reduzieren, weil dies die Empfänger ermüde. Stattdessen sollten die Apotheker inhaltliche Themen platzieren und sich zu allen gesundheitsrelevanten Themen öffentlich äußern. Denn „die Apotheker gehören zur Lebenswelt der Menschen“ und seien relevant.

Die Apotheker bräuchten aber auch ein anderes Vergütungssystem. Denn das bisherige System honoriere die Abgabe von Packungen, aber es biete keinen Anreiz für ratgebende Tätigkeiten oder für den Notdienst. Außerdem müssten die Apotheker weiterhin die Flächenabdeckung sichern. Sie sollten auch Orte versorgen, an denen die Ärzte sich zurückziehen.

Als wichtige Zukunftsaufgabe beschrieb Schmidt die patientenorientierte Pharmazie. Die Apotheker sollten sich endgültig als ratgebender Beruf positionieren und ihre Kompetenz sichern und ausbauen, insbesondere mit Blick auf das Medikationsmanagement. Das Ziel sei, gleichberechtigtes Mitglied in therapeutischen Teams zu werden und nicht nur Lieferant von Arzneimitteln oder Dienstleistungen. Dazu müsse auch die Approbationsordnung langfristig weiterentwickelt werden. Sie müsse mehr Pharmakologie, klinische Pharmazie und Gesundheitswissenschaften enthalten, ohne die naturwissenschaftliche Basis aufzugeben.

In diesem Zusammenhang lobte Schmidt die generelle Zielrichtung der neuen Apothekenbetriebsordnung. Das Maß an Bürokratie sei ärgerlich, aber der Kern mit mehr Beratung und einer Stärkung der Kompetenz des Apothekers sei richtig. Widerstände gegen die anstehenden Veränderungen innerhalb des Berufsstandes hält Schmidt für eine normale gesellschaftliche Reaktion. Dennoch sei die aufgezeigte Entwicklung nötig.


Thomas Müller-Bohn


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