Statintherapie

Erhöhtes Nierenrisiko bei hochpotenten Wirkstoffen?

10.04.2013, 13:00 Uhr


Eine Behandlung mit Atorvastatin, Rosuvastatin oder Simvastatin in höheren Dosen im Vergleich zu niedrigeren Dosierungen oder geringer potenten Wirkstoffen kann das Risiko eines akuten Nierenversagens erhöhen. Dies ergab eine Auswertung von Kohortenstudien und Metaanalysen mit über zwei Millionen Patienten aus Kanada, den USA und Großbritannien.

In der kürzlich veröffentlichten Analyse hatte eine kanadische Arbeitsgruppe um Colin Dormuth auf neun Kohortenstudien und Metaanalysen basierende Datenbanken aus Kanada, den USA und Großbritannien mit mehr als zwei Millionen Patienten ab 40 Jahren ausgewertet. Diese waren im Zeitraum Januar 1997 bis April 2008 neu auf eine hochwirksame Statintherapie eingestellt worden. Als hochpotent galt dabei eine Behandlung mit Rosuvastatin ab einer Tagesdosis von 10 mg, mit Atorvastatin ab 20 mg oder mit Simvastatin ab 40 mg pro Tag. Primärer Endpunkt der Analyse war die Hospitalisationsrate infolge eines akuten Nierenversagens.

Bei Patienten mit normaler Nierenfunktion vor Therapiebeginn zeigte sich nach 120 Tagen Behandlungsdauer ein 34-prozentiger Anstieg der Klinikeinweisungen infolge akuter Nierenprobleme im Vergleich zu Patienten, denen niedriger potente oder geringer dosierte Statine verabreicht worden waren. Auch wenn dieses Risiko im Zeitverlauf langsam abnahm, blieb es bis zu zwei Jahre nach Therapiebeginn statistisch signifikant. Bei Patienten, die vor Behandlungsbeginn bereits an einer chronischen Nierenerkrankung gelitten hatten, erhöhte sich die Hospitalisationsrate nicht.

Die Autoren errechneten, dass pro 1700 mit einem hochpotenten Statin behandelte Patienten ein zusätzliches akutes Nierenversagen erwartet werden muss (number needed to harm). Ärzte sollten dies bei der Verschreibung berücksichtigen und gegebenenfalls eine niedrigere Statindosis oder einen weniger potenten Wirkstoff verordnen. Doch die erwünschten ausgeprägten LDL-Cholesterol-Senkungen von über 45% sind nur mit den hochpotenten Wirkstoffen Atorvastatin, Rosuvastatin und Simvastatin erzielbar. Daher besteht die Herausforderung für die Praxis nach Meinung der Autoren darin, diejenigen Patienten zu identifizieren, für die eine hochpotente Statintherapie mit einem günstigen Nutzen-Risiko-Verhältnis, auch im Hinblick auf ein mögliches Nierenversagen, verbunden ist.

Ausführlich lesen Sie dazu in der aktuellen DAZ „Nierenversagen unter Statintherapie? Erhöhtes Risiko bei hochpotenten Wirkstoffen“.

Quelle: Dormuth CR, et al.: BMJ (2013), 346:f880, doi: 10.1136/bmj.f880


Dr. Claudia Bruhn


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