Neuartiges Coronavirus

Vermutlich keine unmittelbare Gefahr

05.04.2013, 10:41 Uhr


Von dem neuartigen Coronavirus, das in München vor wenigen Tagen zum Tod eines Menschen geführt hat, geht nach Einschätzung der Gesellschaft für Virologie (GfV) keine unmittelbare Gefahr für die Allgemeinbevölkerung aus.

Im vergangenen Herbst isolierten Virologen am Erasmus Medical Center (EMC) in Rotterdam ein neues Coronavirus, das zu akuten Atemwegserkrankungen führt, verbunden mit Nierenversagen. Das neue Humane Coronavirus EMC ist eng mit dem SARS-Virus verwandt, das vor zehn Jahren 8.000 Personen infizierte, von denen 800 starben

Ein Patient aus Abu Dhabi, der am 26. März 2013 in einer Klinik in Schwabing verstarb, war seit April 2012 der elfte Mensch, der an den Folgen einer Lungenentzündung mit dem Betacoronavirus 2c EMC/2012 gestorben ist. Die Zahl der Erkrankungen wird mit 17 angegeben. „Hieraus lässt sich jedoch nicht zwingend ableiten, dass es sich bei dem Erreger um ein besonders tödliches Virus handelt“, sagen der Präsident der Gesellschaft für Virologie Professor Dr. Thomas Mertens und der Virologe Professor Dr. Christian Drosten. Wie bei anderen neu auftretenden Infektionen könne davon ausgegangen werden, dass die bekannt gewordenen Erkrankungen nur die Spitze eines Eisbergs sind. Die Virologen vermuten jedoch, dass die Mehrheit der Infektionen mild verläuft und deshalb nicht erkannt wird. Sie verweisen in diesem Zusammenhang auf einen weiteren Patienten, der im vergangenen Jahr ohne Kenntnis der Diagnose in Essen behandelt wurde und dort keine anderen Menschen angesteckt hat. Die Einschätzung der Experten gründet sich auf die Übertragungswege des Virus, das bevorzugt die tieferen Abschnitte des Atemtrakts befällt. Für eine Ansteckung sei deshalb ein enger Kontakt notwendig. Dies erkläre, warum die wenigen bekannt gewordenen Übertragungen von Mensch zu Mensch nur unter engen Familienmitgliedern erfolgten.

Die Fähigkeit, menschliche Zellen zu befallen, geht beim neuen Coronavirus zwar weiter als bei SARS, aber aufgrund seiner wesentlich größeren Empfindlichkeit gegenüber Interferon könnte es sich besser eindämmen lassen. So hat die Verabreichung von Interferon einen deutlich stärkeren antiviralen Effekt auf das neue Coronavirus als auf das SARS-Virus, das weitgehend unempfindlich gegenüber Interferon ist.

Quellen: Pressemitteilung der Gesellschaft für Virologie, 2. April 2013; Zielecki; F., et al.: J. Virol. 2013;87(8); Online: doi: 10.1128/JVI.03496-12


Dr. Bettina Hellwig


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