Winter ohne Sonne

Nuklearmediziner warnen vor Vitamin-D-Mangel

Essen - 04.04.2013, 13:54 Uhr


Der sonnenarme Winter hat Folgen: „In unsere Praxen kommen derzeit auffallend viele Patienten mit unklaren Knochen- oder Muskelschmerzen“, berichtet Dr. Detlef Moka, Vorsitzender des Berufsverbands Deutscher Nuklearmediziner (BDN). Doch schuld sind nicht Rheuma oder entzündete Gelenke – immer häufiger sind die Beschwerden Folge eines schweren Vitamin-D-Mangels.

Bei Knochenschmerzen klären Nuklearmediziner zunächst durch eine Skelettszintigrafie, ob es sich um eine krankhafte Knochenveränderung handelt. Liegen keine szintigrafisch fassbaren Knochenveränderungen vor, wird das Blut analysiert. „Durch den Bluttest stoßen wir häufig auf einen ausgeprägten Vitamin-D-Mangel“, so Moka. Eine Studie in seiner nuklearmedizinischen Praxis in Essen mit 2.500 Patienten belegt, dass 35 Prozent aller deutschstämmigen Patienten unter einem Vitamin-D-Mangel leiden.

Ein Mangel liegt nach Auffassung des BDN vor, wenn weniger als 25 nmol/l Vitamin D im Blut gemessen wird. Bei weniger als 10 nmol/l können die Symptome eines schweren Mangels den ganzen Körper erfassen. Zu den Beschwerden zählen Müdigkeit, verlangsamtes Denken, Depression, Muskelschwäche und -krämpfe, Schmerzen in den Knien und im Rücken, Schlafstörungen, Hautprobleme, erhöhte Anfälligkeit für Infekte und bakterielle Infektionen, Knochenbrüche, Überfunktion der Nebenschilddrüsen, Osteoporose und schmerzhafte Knochenerweichung („Osteomalazie“).  

Unter normalen Umständen bildet der Körper Vitamin D, sobald UVB-Strahlung auf die menschliche Haut einwirkt. Wer sich also in den Monaten März bis September zwei bis drei Mal pro Woche für fünf bis 30 Minuten mit Gesicht und Armen oder Beinen der direkten Sonne aussetzt, hat laut Moka keine Schäden zu befürchten und baut ausreichend Vitamin D auf – auch für einen sonnenarmen Winter. Die konkrete Dauer der Sonnenexposition hängt allerdings vom Hauttyp und vom Alter des Patienten ab. Kurzbesuche in modernen Solarien können eine Alternative sein.

Die Vitamin-D-Zufuhr über die Nahrung ist allerdings schwieriger. „Wir können höchstens 20 Prozent unseres täglichen Vitamin-D-Bedarfs über Lebensmittel decken“, erläutert Moka. Zu den Lebensmitteln mit hohen Vitamin-D-Konzentrationen zählen neben Pfifferlingen und Champignons vor allem Fisch wie Lachs, Makrele und Hering. Reiche die Aufnahme über Sonnenlicht und Ernährung nicht aus, könne Vitamin D in Form von Tabletten, Kapseln oder öligen Tropfen eingenommen werden, so Moka weiter.


DAZ.online