Selbstmedikation in der Schwangerschaft

Sicher gegen Erkältung, Kopfschmerz und Magendrücken

Hamburg - 15.03.2013, 17:27 Uhr


Auf der Interpharm in Hamburg zeigte Dr. Kirsten Lennecke, Sprockhövel, welche Wirkstoffe zur Selbstmedikation während der Schwangerschaft bei Alltagsbeschwerden empfohlen werden können.

Bei Erkältungskrankheiten gelten lokal angewendete abschwellende Sympathomimetika, Sekretolytika und Mukolytika wie Ambroxol und Acetylcystein in der Schwangerschaft als sicher.

Das Mittel der ersten Wahl gegen Schmerzen (und Fieber) ist Paracetamol. Es kann zu jeder Phase der Schwangerschaft sicher eingesetzt werden. Im ersten und zweiten Trimenon (bis zur 28. Schwangerschaftswoche) sind auch NSAR möglich, vor allem Ibuprofen, Diclofenac oder Acetylsalicylsäure. Danach sind diese COX-2-Hemmer kontraindiziert, weil sie bei der Mutter die Wehentätigkeit herabsetzen, den Geburtsvorgang und die nachfolgende Blutung verlängern und das Risiko für Sodbrennen und Gastritis erhöhen. Beim Fötus führen sie zu einem verfrühten Verschluss des Ductus arteriosus Botalli mit der Gefahr eines pulmonalen Hypertonus und einer Nierenfunktionsstörung. Beim Neugeborenen erhöht sich das Risiko für intrakranielle Blutungen unter der Geburt.

Zur Migränebehandlung werden für Schwangere Ibuprofen oder Paracetamol evtl. in Kombination mit Coffein (oder ärztlich verordnet mit Codein) empfohlen. Reicht die Wirksamkeit nicht aus, können Triptane eingesetzt werden. Weil die meisten Erfahrungen mit dem rezeptpflichtigen Sumatriptan vorliegen, wird dieses Naratriptan oder Almotriptan aus der Selbstmedikation vorgezogen.

Bei starken Magen-Darm-Beschwerden werden hohe Dosierungen von Vitamin B6 (bis zu 80 mg/d) oder Dimenhydrinat eingesetzt. In den USA und Canada gibt es gute Erfahrungen mit Doxylamin, das bei uns in Deutschland nur als apothekenpflichtiges Hypnotikum/Sedativum zugelassen ist. Bei starkem Erbrechen (Hyperemesis gravidarum) ist eine ärztliche Behandlung, oft sogar ein Krankenhausaufenthalt, notwendig.

Zur Behandlung von Magenbeschwerden und Sodbrennen sind alle Antazida kurzfristig einsetzbar. Bei aluminiumhaltigen Antazida (Magaldrat, Hydrotalcit) weisen die Packungsbeilagen darauf hin, dass die Gabe von Aluminiumsalzen bei Tierversuchen zu Schäden im Nervensystem geführt hat – bei der Anwendung der Wirkstoffe selbst sind keine schädlichen Wirkungen aufgetreten.

Bei Verstopfung können Füll- und Quellmittel, aber bei Bedarf auch Lactulose und Macrogol empfohlen werden. Bei Durchfall werden vor allem Elektrolytersatz und medizinische Kohle eingesetzt. Bei Blähungen kann Dimethicon genutzt werden.


DAZ.online


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