Prostatakrebs

IQWiG: PSA-Test kann auch schaden

Berlin - 14.03.2013, 12:01 Uhr


Die Zahl der Männer, bei denen Prostatakrebs entdeckt wird, hat sich nach Angaben des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in den letzten Jahrzehnten mehr als verdoppelt. „Hauptursache dafür ist die Früherkennung durch den sogenannten PSA-Test“, glaubt Dr. Klaus Koch vom IQWiG. Sie finde allerdings auch oft Krebsgewebe, das nie Beschwerden verursacht hätte.

Bei einem PSA-Test wird im Blut die Menge des prostataspezifischen Eiweißes gemessen. So soll der Krebs entdeckt werden, bevor er Beschwerden verursacht. Krebs kann sich aber sehr unterschiedlich verhalten und entwickeln. „Wird etwas gefunden, macht das nicht nur Angst, sondern zieht oft auch belastende Behandlungen nach sich“, warnt Koch. Diese sogenannten Überdiagnosen würden so oft gestellt, dass Prostatakrebs heute die häufigste Krebsart bei Männern sei.

Ist ein PSA-Test auffällig, werden bei einer Biopsie Gewebeproben entnommen. „Im günstigsten Fall wird ein Tumor entdeckt, der sich durch die frühe Entdeckung besser behandeln lässt oder sogar geheilt werden kann“, erklärt Koch weiter. Wird dagegen Prostatakrebs gefunden, der langsam oder gar nicht wächst, überwiegen aus Kochs Sicht die Nachteile: „Diese Männer hätten sich ohne Früherkennung zeitlebens nicht mit dem Thema Prostatakrebs beschäftigen müssen.“

Er verweist auf Studienergebnisse, denen zufolge der PSA-Test innerhalb von elf Jahren einen von 1.000 älteren Männern davor bewahrte, an Prostatakrebs zu sterben. 36 von 1.000 Männern erhielten wiederum eine Krebsdiagnose, ohne von der frühen Entdeckung zu profitieren. Wer über einen PSA-Test nachdenkt, kann sich daher ab sofort über Nutzen und Schaden des Tests auf der IQWiG-Website www.gesundheitsinformation.de informieren.

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Juliane Ziegler