Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

03.03.2013, 08:00 Uhr


Die einen sagen so, die anderen sagen so. Egal, liebes Tagebuch, welche persönliche Bilanz die ABDA, jede Apotheke für sich und die Teile der Politik und der Bevölkerung, die die Aktion mitbekommen haben, ziehen: Die „Wir-machen-den-Tag-zur-Nacht-Aktion“ hat jedenfalls bewirkt, dass der Nacht- und Notdienst der Apotheken eine Woche lang Gesprächsthema war, in Diskussionsforen, in Fachkreisen, aber auch in dem einen oder anderen Regionalmedium. Ob uns der Klappendienst ein Stück näher an unsere Notdienstpauschale gebracht hat? Gezeigt hat die Aktion jedenfalls – wieder einmal –, wie es um die Einigkeit, die Solidarität unter Apothekerinnen und Apotheker steht. So alte Weisheiten wie „Jeder Apotheker ist ein Individuum“ oder „man kann’s nicht allen recht machen“ haben ihre Gültigkeit. Anderes Thema: die großen Pläne der ABDA – nach der Klausurtagung. Mon Dieu, atemberaubend.

25. Februar 2013

In der vorletzten Woche lag so ein bisschen römisches Flair über dem ehrwürdigen Apothekerhaus in Berlin. Die ABDA hatte den Gesamtvorstand zu einer zweieinhalb-tägigen Klausurtagung hinter verschlossenen Türen geladen. Liebes Tagebuch, wieso nur erinnerte mich diese Klausurtagung an Vatikan, Kardinäle und Papstwahl? Hhmm, weißen Rauch jedenfalls hatte man am Ende der Klausur nicht aufsteigen sehen, aber die eine oder andere heiße Luft. Nein, wir wollen mal nicht schon wieder so despektierlich sein, es war ja ein guter Ansatz. Aber was ist wirklich rausgekommen? Vieles wurde angedacht, weniges zu …, nein, sagen wir mal so: das Ergebnis hängt wie immer von der Perspektive ab. Da kann schon mal die offizielle Version ein wenig von dem abweichen, was einem Teilnehmer berichten. Bleiben wir beim Offiziellen. Die Absichtserklärungen über die Do’s und Dont’s lesen sich gut: die ABDA will sich mehr in politische Diskussionen einbringen (aber keinen teuren Apothekerstand mehr auf Parteitagen), sie will mehr und offenere Diskussionen innerhalb der Apothekerschaft (wir haben’s gehört), auch im Internet vielleicht auf einer eigenen Plattform. Weiter: ein patientenorientiertes Leitbild des Apothekers soll entwickelt werden (spät, aber hoffentlich nicht zu spät), vorsichtige Weiterentwicklung der Honorierung (aber keine Revolution). Außerdem: es soll größeres Gewicht gelegt werden auf die patientenorientierte und klinische Pharmazie (wir schreiben das Jahr 2013!), was langfristig in ungefähr zehn Jahren zur Überarbeitung der Approbationsordnung führen muss, so der ABDA-Präsident (dann schreiben wir das Jahr 2023! ­Geht das nicht schneller?). Ja, und dann kam auch die Datenaffäre und was damit so alles zusammenhängt ein bisschen auf den Tisch, mit Kritik an der Arbeit der bisherigen Verbandsführung, so hieß es. Aber sicher nur eine klitzekleine Kritik, denn unterm Strich, liebes Tagebuch, gab’s ja einen offiziellen dicken – nein, keinen Kuss, aber einen – Vertrauensbeweis für die Standesvertretung und die Struktur der ABDA wurde nicht in Frage gestellt. Na, wer sagt’s denn: Was gut ist, soll man nicht ändern. Oder vielleicht doch?

Auch der Ort des Geschehens selbst, das Apothekerhaus, war Gesprächsthema in der Klausur. Kein Wunder, musste doch der Gesamtvorstand sehenden Auges an den Rissen und am bröckelnden Putz vorbeilaufen, mit dem der Kasten zu kämpfen hat. Erschütterungen der angrenzenden Baustelle und durch den begonnenen Neubau des Stadtschlosses ließen es soweit kommen. Liebes Tagebuch, es ist ein Jammer. Ja, es mag ein schönes altes Palais (gewesen) sein – aber seien wir ehrlich: Hat es jemals so richtig als Arbeits- und Bürogebäude für einen Berufsverband getaugt? Außer zur Repräsentation mit fraglichem Wert? Heute platzt es schon aus allen Nähten. Selbst damalige Befürworter des Palais wären froh, so hab’ ich vernommen, wenn man sich davon trennen könnte. Aber der Wertverlust wäre gewaltig. Man munkelt, von den damals bezahlten 27 Mio. Euro bekäme man heute nur noch 17 Mio. zurück. Dann der Platzmangel: Die ABDA hat bereits in der Umgebung des Hauses weitere Büroräume angemietet, in denen Mitarbeiter sitzen, weil der Platz nicht reicht. Jetzt soll sogar eine Aufstockung des Gebäudes geprüft werden, also ein Kasten oben drauf auf den Kasten. Ob das gut ginge? Und dann die Optik und der Denkmalschutz. Der ABDA-Präsident hatte noch eine zusätzliche Idee: die Öffnung des Apothekerhauses für ein breites Publikum, für Ausstellungen und Veranstaltungen. Gute Idee! Fein, oder wie wär’s damit: ein Museum für den  Apothekerberuf oder das Apothekerhaus als Pharma-Event-Location. Vielleicht sollte man sich auch einen Ruck geben: weg mit dem Palais, weg mit dem Haus in Eschborn und Neubau oder Kauf eines zweckmäßigen großen Bürohauses, in dem alle Platz haben.

Zur Nacht- und Notdienstpauschale: Als sich vorletzte Woche unsere ABDA-Spitze mit Gesundheitsminister Bahr traf, war auch die Nacht- und Notdienstpauschale ein Thema. Wie zu hören war, wird die „konkrete Konstruktion“ der Finanzierung dieser neuen Pauschale Aufgabe des Bundesgesundheitsministeriums sein. Darüber seien sich beide Seiten einige, hieß es. Das betrifft vor allem die ungeklärte Frage, wie die Selbstzahler in die Finanzierung einbezogen werden sollen. Also, da muss jetzt das BMG ran und sagen, wie’s geht. Das Ministerium soll bereits akzeptiert haben, dass die Apothekerkammern die Nacht- und Notdienste zertifizieren und dass alle Apotheken eine einheitliche Pauschale erhalten sollen. Liebes Tagebuch, da sind wir doch mal gespannt, wie so ein Zertifikat für den Nachtdienst aussieht und wie viel es kostet. Vielleicht muss man sich dafür auch noch präqualifizieren? Und vielleicht ein Foto vom Nachtdienstzimmer, vom Nachtdienst-Bett und dem darauf hübsch drapierten Pyjama oder Nachthemd einsenden? 

26. Februar 2013

Jetzt wird’s langsam ernst: Das Bundesgesundheitsministerium hat den Vorschlag zur Finanzierung der Nacht- und Notdienstpauschale zur Abstimmung ans Bundesjustizministerium und Bundesinnenministerium geschickt. Spätestens in der letzten Sitzung vor Ostern, am 20. März, will man die Zustimmung des Kabinetts erhalten. Au weia, liebes Tagebuch, wir erinnern uns: diese beiden Ministerium hatten uns beim angestrebten Pick-up-Verbot im vergangenen Jahr einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Drücken wir die Daumen, dass der Vorschlag die Hürden dieser Ministerien passiert. Sonst könnte man auch auf andere Gedanken kommen.

27. Februar 2013

Passend zur Woche des Nachtdienstes: Im Vorfeld des bundesweiten Klappenaktionstags „Wir machen den Tag zur Nacht“ hatte die ABDA eine Umfrage zum Nachtdienst beim Forsa-Institut in Auftrag gegeben: Klares Ergebnis: Für 86 Prozent der Menschen ist es „wichtig“ (36 Prozent) oder sogar „sehr wichtig“ (50 Prozent), sich außerhalb der regulären Öffnungszeiten Arzneimittel in einer Apotheke besorgen zu können. Das überrascht nicht, im Gegensatz zu der Antwort, dass zwei Drittel der Menschen in Deutschland 2,50 Euro Notdienstgebühr eindeutig als zu niedrig bewerteten. Das zeigt aber auch, dass den Menschen der Dienst etwas wert ist.

Dürfen, sollen Rechenzentren und Informationsdienstleister Rezept- und Abrechnungsdaten weitergeben bzw. verwenden? Seit der „Spiegel“ vor zwei Jahren die Unregelmäßigkeiten bei der Verwendung der Rezeptdaten ans Licht der Öffentlichkeit gebracht hat, wird in der Abrechnungs- und Statistikinstitutsszene darüber debattiert. Apothekenabrechnungszentren und Marktforschungsunternehmen haben nun ein gemeinsames Positionspapier erarbeitet: „Zulässigkeit der Verwendung anonymisierter Abrechnungsdaten durch Apothekenrechenzentren. Hinter dem Papier stehen das ARZ Haan, das Apotheken-Rechen-Zentrum Darmstadt, IMS Health, Insight Health. die VSA-Tochter Pharmafakt und die VSA. Das Ergebnis des Papiers überrascht nicht: man darf die Daten verkaufen und verwenden, wenn alles datenschutzkonform abläuft – was es selbstverständlich tut.

28. Februar 2013

Einen Monat lang haben wir auf diesen Tag hingefiebert, liebes Tagebuch, auf den Tag, der zur Nacht wird. Einer Sonnenfinsternis gleich verdunkelte sich Schlag 12 eine Stunde lang der Himmel über Deutschland, der Tag wurde zur Nacht: Alle Apotheken schlossen die Türen und bedienten nur durch die Nachtdienstklappe. Alle, wirklich alle? Nein, ’s wär zu schön gewesen. Von Region zu Region, von Stadt zu Stadt, von Land zu Stadt unterschiedlich machten mal 90 Prozent, mal nur 10 Prozent bei dieser Aktion mit, zu der die ABDA aufgerufen und sogar ein minutiöses Drehbuch geschrieben hatte. Es ging ein Riss durch die Apothekerschaft. Die einen werteten die Aktion, mit der der Forderung nach einer Nacht- und Notdienstpauschale Druck verliehen werden sollte, als Klappen-Kasperletheater, die anderen sahen in dieser Aktion endlich ein deutliches Zeichen, um die Bevölkerung und die Politik auf die angespannte Situation der Apotheken aufmerksam zu machen, wieder andere meinten, man könne sich die Aktion schenken, da ja jetzt die Pauschale schon beschlossene Sache sei. Manche sagten, sie könnten sich nicht erlauben zu schließen, da der liebe Kollege um die Ecke offen lasse, andere glaubten nicht, dass die Bevölkerung Verständnis für den Klappendienst habe. So vielfältig wie das Individuum Apotheker ist, so vielfältig sind die Meinungen. Zieht man ein ehrliches Fazit über alles, dann war’s dieses Mal wohl nichts mit der „regen Beteiligung“, wie sie Kammern und ABDA meldeten. Zwar soll es Regionen gegeben haben, in denen viele Apotheken mitmachten. Und immerhin, in ein paar kleineren Zeitungen, in dem einen oder anderen TV/Radio-Beitrag kamen die Apotheker und ihr Anliegen schon mal vor. Aber zum Donnerschlag in den Medien hat’s so nicht gereicht. Ach, ja, wir Apothekers.

1. März 2013

Tu felix Austria! Von wegen, das war einmal. Schauten wir bundesdeutschen Apothekerinnen und Apotheker schon mal gern neidvoll auf unsere lieben Kollegen und Kolleginnen im Alpenstaat, wie viel besser als uns es ihnen geht, so kommen jetzt auch von dort Klagen. Die österreichischen Apotheken stöhnen unter stagnierenden Kassenumsätzen und sinkenden Kassenspannen. Der österreichische Apothekerverband appelliert an die Gesundheitspolitik, die Kassenspanne nicht weiter zu reduzieren. Und: neue Dienstleistungen in Apotheken sollen von der öffentlichen Hand vergütet werden. Kommt uns bekannt vor, liebes Tagebuch. Ab Jänner müssen Wiens Apotheken mit der schier unglaublichen Änderungen fertig werden, dass sie wochentags bis 19 Uhr geöffnet haben dürfen.

Einen kleinen Vorteil, von dem wir nur träumen können, haben sie allerdings noch, unsere Damen und Herren Magister: Der Versandhandel mit Arzneimitteln ist in Österreich verboten. Noch. Aber auch hier zeigen sich Aufweichungserscheinungen. Ausländische Apotheken dürfen mittlerweile nach Österreich hinein nicht-verschreibungspflichtige Arzneimittel versenden. Und Ende 2013 sollen dann auch österreichische Apotheken Arzneimittel versenden dürfen.

 


Peter Ditzel


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