Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

17.02.2013, 08:00 Uhr


Wir sind nicht mehr Papst, in der Tiefkühllasagne findet sich Pferdefleisch mit Phenylbutazon, Deutschland hat eine neue Bildungsministerin, ein Asteroid rast knapp an der Erde vorbei – und die Apotheker haben weder einen Referentenentwurf für die Notdienstpauschale noch eine Schiedskommission, um den Kassenabschlag zu verhandeln – mein liebes Tagebuch, in welcher Welt leben wir eigentlich? Aber freu dich, bald soll alles besser werden: ab kommenden Dienstag bis Donnerstag geht die ABDA in Klausur und hält (hoffentlich) innere Einkehr. Danach kennen wir alle Geheimnisse um die Spionage-Affäre und wissen, wo’s mit den Apothekern lang geht (war ein Scherz). Und gleich danach treffen sich die Apothekerpräsidenten Schmidt und Kiefer bei Bahr zum Vorsingen. Gibt’s als Dankeschön für den Schwanengesang dann den Entwurf für die Notdienstpauschale?

11. Februar 2013

Raus aus der Klausurtagung und schnell rüber zu Bundesgesundheitsminister Bahr – so wird sich der Antrittsbesuch am kommenden Donnerstag für ABDA-Präsident Schmidt und Bundesapothekerkammerpräsident Kiefer gestalten. Von wegen Antrittsbesuch, liebes Tagebuch, es geht nicht um einen feuchten Händedruck, es geht um unsere Pauschale für Nacht- und Notdienst! Das jedenfalls meinen Insider der Politszene. Warten wir’s ab, mit welchen Gesichtern unsere beiden Präsidenten zurück ins Apothekerhaus eilen – um sich weiter in Klausur zu begeben.

Eine definitive Entscheidung in Sachen Kassenabschlag wird noch auf sich warten lassen: Noch immer gibt es keinen Vorsitzenden für die Schiedskommission. Der erfahrene Altmeister in Sachen Entscheidungen, Dr. Rainer Hess, früherer G-BA-Vorsitzender und jetzt  Wunschkandidat von Krankenkassen und Apothekerverband für die Schiedskommission, muss erst seinen neuen Arbeitgeber, den Stiftungsrat der Deutschen Stiftung Organtransplantation, fragen, ob er zwischen Kassen und Apothekern vermitteln darf. Am 27. Februar soll’s entschieden werden. Bis dahin, liebes Tagebuch, brauchen wir Geduld und starke Nerven.

Und während in Berlin getagt wird, werden in Deutschland drei weitere Apotheken schließen. Am Jahresende 2012 gab’s in unserem Land genau 20.921 Apotheken, der niedrigste Stand seit 1994 (20.903). Rein rechnerisch (wöchentlich machen sechs Apotheken dicht) liegen wir Mitte Februar jetzt schon unter dem Stand von 1994. Die Talfahrt geht weiter.

Endlich, klare Kante von den obersten Richtern der Republik: Schluss mit dem Boni-Spuk der niederländischen Europa Apotheek. Die Entscheidung des Gemeinsamen Senats von Bundesgerichtshof und Bundessozialgericht fiel im vergangenen August, die Begründung liegt nun vor. Und sie ist deutlich: Die Anwendung des deutschen Arzneimittelpreisrechts auf die holländische Apotheke steht mit dem Europarecht in Einklang. Im Klartext: Ein Bonus von 2,50 bis 15 Euro auf Rx-Arzneimittel ist in Deutschland nicht erlaubt und darf daher auch nicht von einer niederländischen Versandapotheke gewährt werden. Basta. Mein liebes Tagebuch, was meinst du, werden die Niederländer jetzt Ruhe geben oder sich neue Taktiken ausdenken?

12. Februar 2013

Nur noch elfmal schlafen, dann wird der Tag zur Nacht oder war’s umgekehrt? Egal wie, die Klappenprotestaktion zum Nacht- und Notdienst am 28. Februar rollt unbarmherzig und planmäßig an. Handzettel, Plakate und Gebrauchsanweisung für die Klappenaktion sind verschickt. Und wer möchte, darf mit oberster Erlaubnis aus Berlin, statt einer Stunde auch länger dem Klappendienst fröhnen. Was aber, liebes Tagebuch, wenn der Herr Bundesgesundheitsminister unserem Herrn Präsidenten sieben Tage zuvor einen Referentenentwurf in die Hände drückt, der aufzeigt, wie man 120 Mio. auf 21.000 Apotheken so verteilt, dass sie fortan lieber Nachtdienst machen? Hat es sich dann ausgeklappt? Warten wir’s ab.

Weil die FDP böse zu den Apothekern war, baut die ABDA auf dem nächsten Parteitag im März keinen Stand (Standgebühr im niedrigen fünfstelligen Bereich) mehr auf. Liebes Tagebuch, was meinst du: Sieht das nicht doch ein bisschen nach FDP-Abstrafaktion aus? Auf der Klausurtagung will sich die ABDA auch über das ob und wie des Parteiensponsorings unterhalten. Kein Sponsoring wäre in der heutigen Zeit o.k. und auch ein Zeichen „wir können’s nicht mehr“. Aber dann sollte man es rasch als Codex an alle Parteien kommunizieren. 

Süße Sirenengesänge der Biggi Bender: Die Frontfrau grüner Gesundheitspolitik geht auf Distanz zu ihrer früher propagierten Aufhebung des Fremd- und Mehrbesitzverbots. „Das ist für uns kein Thema, solange es nicht aus der (heterogener werdenden) Apothekerschaft kommt“, sagt sie in einem Interview mit dem Aktuellen Wirtschaftsdienst (AWA). Klingt nett, aber ob es wirklich so gemeint ist, liebes Tagebuch? Wir erinnern uns: Noch vor wenigen Jahren haben sich die Grünen unter der Ägide von Bender für einen Antrag auf Aufhebung des Fremdbesitzverbotes stark gemacht. Nach wie vor sind sich die Grünen nicht einig, ob sie den Apothekenmarkt liberalisieren wollen (Anja Piel, Grünen-Chefin in Niedersachsen) oder lieber den Heilberufler Apotheker in seiner Apotheke und seinem Quartier stärken wollen (Barbara Steffens, Gesundheitsministerin in NRW). So sind sie halt, irgendwie grün, die Grünen.

13. Februar 2013

Liebes Tagebuch, weißt du, was mittlerweile das Schwierigste bei einer Rezeptbelieferung ist? Nein, nicht das Medikationsmanagement. Auch nicht die pharmakologische und klinisch pharmazeutische Prüfung auf Wechselwirkungen und Nebenwirkungen – die sind ein Klacks im Vergleich zum Check auf GKV-erstattungstechnisch relevante Parameter und retaxverhindernde Maßnahmen. Neuester Fallstrick: Arzneimittel mit Erstattungsbetrag und ihre Auswahl vor dem Hintergrund von Importquoten und Rabattverträgen. Also, seit Februar darf bei Verordnung eines Originals nicht mehr einfach zum Reimport gegriffen werden, um die Quote zu erfüllen. Es muss vorab geprüft werden, ob das Arzneimittel zu den neuen Arzneimitteln gehört, die einen Erstattungsbetrag haben – und der könnte niedriger als der Preis des Reimports sein, weshalb kein Reimport abgegeben werden darf, sondern das Original (mit Erstattungsbetrag). Die Falle dabei: Noch ist in der Apothekensoftware nicht zu erkennen, ob das Präparat einen niedrigeren Erstattungsbetrag hat und wie hoch er ist. Liebes Tagebuch, wie war das doch gleich? Wie lautet die Scherzfrage: Übernehmen die Krankenkassen eigentlich die Programmierung und das Update der Software?

Keine Scherzfrage: Wer zahlt für die PTA-Ausbildung in Nordrhein-Westfalen? Das Land jedenfalls wird es nicht mehr tun, es will die Fördermittel streichen. Das heißt, 16 PTA-Schulen und 2000 Ausbildungsplätze fallen damit weg. „Die angespannte Haushaltslage“ des Landes lasse das nicht mehr zu. Liebes Tagebuch, ist Bildung und Ausbildung in unserem Land kein unterstützenswürdiger Auftrag mehr für den Staat? Für PTA-Auszubildende würde dies bedeuten, dass sie statt 200 dann 378 Euro als Schulgeld pro Monat (!) bezahlen müssten. Die Apothekerkammern dürfen derzeit nicht in die Finanzierung einsteigen, selbst auf freiwilliger Basis nicht. Dafür müsste erst das Heilberufsgesetz geändert werden. Springen die Apotheken dann in die Finanzierung ein, müssen sie jährlich 290 Euro dafür aufbringen. Aber warum soll die Last an den Apotheken alleine hängen bleiben, wenn Krankenkassen, Industrie und andere Betriebe und Organisationen ebenfalls PTA beschäftigen und von gut ausgebildeten PTAs profitieren? Liebes Tagebuch, Studiengebühren in NRW gibt es nicht mehr, aber PTA-Auszubildende sollen kräftig zahlen. Da läuft was schief! Hoffentlich schließen sich viele der Kampagne „NRW braucht PTA!“ an und unterschreiben die Petition auf www.nrw-braucht-pta.de . Emma dankt!

Es geschehen noch Wunder, liebes Tagebuch: Eine Krankenkasse, die Schwenninger Krankenkasse, bezahlt die Apotheken dafür, wenn sie ihre Patienten bei der Umstellung auf Rabattarzneimittel beraten. Na, also, geht doch! Der Baden-Württembergische Apothekerverband und der Hessische Apothekerverband haben mit der Kasse einen Kooperationsvertrag geschlossen. Nun, ja, es ist nicht gerade die größte Kasse im Land, aber dennoch löblich: Die Kasse sieht ein, dass es nützt, wenn die Therapietreue der Patienten verbessert wird – mithilfe des Apothekers. „Wir denken, dass die Honorierung für die Umstellung gut investiertes Geld ist“ sagt die Kasse. Das denken wir auch. Der Schwenninger Kassenchef sollte mal mit dem AOK-Hermann reden!

14. Februar 2013

Okay, die Arzneimittel, die sie für Rezepturen verwendete, hatten keine Zulassung für Deutschland. Das geht nicht. Das hätte sie sich denken können, die 74-jährige Kollegin, die sich seit dem Valentinstag in Halle vor Gericht verantworten muss. Die Importe ohne Zulassung waren keine Fälschungen, sie kamen von der Isle of Man und von Dänemark. Man könnte es aber auch so sehen: Hätten die Präparate eine Zulassung gehabt, hätten die Kassen wohl auf Verwendung der Billigpräparate bestanden. Ja, liebes Tagebuch, es kommt immer darauf an, wer davon profitiert.

15. Februar 2013

Vorerst keine Rezeptdaten mehr an Daten-verarbeitende Unternehmen wie IMS Health und Insight Health – dazu hat sich das Norddeutsche Apothekenrechenzentrum NARZ auf Anweisung der drei Norddeutschen Apothekerverbände Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein entschlossen. Hintergrund ist: Man will sich davor hüten, gegen den Datenschutz zu verstoßen – und ist sich nicht ganz sicher, ob bisher alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Man hat bereits den Datenschutzbeauftragten von Schleswig-Holstein eingebunden, um in Zukunft auf Nummer sicher zu gehen. Ist wohl besser so vom NARZ, auch wenn man erst mal auf die Einnahmequelle Datenlieferung verzichten muss. Im Norden also Datenvorsicht. Und im Süden?


Peter Ditzel


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