Landtagswahl in Niedersachsen

Piraten: Veränderungen akzeptieren

Berlin - 14.01.2013, 09:00 Uhr


Anstatt an alten Strukturen festzuhalten, sollten sich Apotheken dem digitalen Wandel stellen. Das empfehlen die Piraten, die ebenfalls für den Einzug in den niedersächsischen Landtag kämpfen. „Diejenigen werden überleben, die sich dieser Herausforderung offensiv stellen“, erklärt die niedersächsische Partei gegenüber DAZ.online.

Internetapotheken sind für die Piraten allerdings auch nicht die ultimative Lösung: Die Abnahme der Apothekenzahl im ländlichen Raum könne durchaus zu einem Problem werden, das auch Internetapotheken nicht auffangen könnten – gerade ältere, weniger mobile Mitmenschen hätten oft keinen Internetanschluss. Darüber hinaus sei die fachliche Beratung der Vor-Ort-Apotheken eine wichtige Ergänzung zur medizinischen Diagnose. Häufig könne erst im Apothekergespräch nachvollzogen werden, was ein Arzt wolle, und bei der „schnellen Abfertigung in den Praxen erzeugtes Missbehagen“ werde oft in der Apotheke behoben.

Im EU-Vergleich habe Deutschland jedoch eine verhältnismäßig hohe Apothekendichte, betont die Partei in Niedersachsen. Angesichts der zusätzlichen Einnahmemöglichkeiten durch rezeptfreie Medikamente und Drogerieartikel erscheint für sie die aktuelle Vergütung auch „angemessen“. Dennoch nehme man zur Kenntnis, dass „im Bereich der GKV die Vergütungsanpassungen der letzten Jahre nicht der durchschnittlichen Kostenentwicklung entsprechen“. Ein politisch gesteuertes „Kaputtsparen“ sei allerdings nicht gewollt. „Apotheken müssen wirtschaftlich unabhängig sein und dürfen nicht von Existenzängsten bedroht werden“ – auch wenn gerade mal kein Kunde komme.

Apotheken tun aus Sicht der Piraten momentan genau das, wozu sie geschaffen wurden. Bedarf für die Erweiterung des apothekerlichen Dienstleistungsspektrums sieht die Partei daher nicht – außer für den Fall, dass ihre Forderungen nach Legalisierung von Drogen mehrheitsfähig würden. Dann könnten die Apotheken die Aufgabe der entsprechenden Beratung übernehmen – wer könnte das auch besser als ein Pharmazeut? Außerdem könnten die Piraten sich eine Erweiterung und Erleichterung von Modellvorhaben und Projekten für regionale Versorgungsstrukturkonzepte vorstellen, in deren Rahmen auch die Apotheken zusätzliche oder besondere Aufgaben erhielten.

Also – warum sollten Apotheker die Piraten wählen? Jedenfalls nicht, weil man sich davon unmittelbare Vorteile verspricht, so die Antwort aus Niedersachsen. Piraten stünden für nachvollziehbare Politik, Demokratie und das Infragestellen erstarrter Strukturen. „Wenn Sie uns das zutrauen, dann wählen Sie uns!“ – um an der gemeinsamen Erarbeitung eines an den Bedürfnissen des Menschen ausgerichteten Gesundheitssystems mitzuwirken, Bürokratie dort abzubauen, wo sie nicht der Verbesserung der Gesundheitsversorgung der Menschen diene, und neue Versorgungskonzepte zu entwickeln und zu erproben.

Morgen: Was denkt die niedersächsische FDP über Apotheken und ihre Situation?

Lesen Sie zur Wahl in Niedersachsen


Juliane Ziegler