Das letzte Jahr

Mein liebes Tagebuch

30.12.2012, 08:00 Uhr


Jetzt schlagen wir Deine letzte Seite in diesem Jahr auf. Es hat sich viel getan in 2012, sehr viel. War es ein gutes Jahr? Kommt – wie immer – darauf an, aus welcher Perspektive man‘s sieht. Und letztlich muss es jeder für sich beurteilen. Über 300 Apotheken in Deutschland haben es nicht überlebt...

Ging es den Apotheken 2012 schlechter als die Jahre zuvor? Darauf kann ich Dir, liebes Tagebuch, keine pauschale Antwort geben. Abhängig von der Lage, von der Größe, von den Aktivitäten und dem Management lebten auch 2012 einige, eher größere Apotheken recht komfortabel. Aber es dürfte nicht übertrieben sein, wenn man davon ausgeht, dass die Mehrzahl der Apotheken schon bessere Jahre erlebt hat. Durchschnittlich mussten  jede Woche sechs Apotheken für immer schließen. Einen solchen Apothekenrückgang gab es noch nie. Die Gründe dafür sind vielfältig: deutlich schlechtere wirtschaftliche Bedingungen, ausgelöst durch politische Vorgaben, steigender Wettbewerb, selbstverschuldetes Missmanagement. Schon lange vorbei sind die Zeiten opulenter Großhandelsrabatte. Vorbei die Zeiten, in denen in der Freiwahl, im OTC-Sortiment und Randsortiment knackige Zuwächse generiert wurden und die Umsätze nicht in den Versandhandel abwandern konnten. Das Gezerre mit den Rabattverträgen kostete auch in diesem Jahr noch immer viele Nerven. Dazu kam der Kleinkrieg mit den Krankenkassen um Retaxationen. Liebes Tagebuch, kein Wunder, wenn in diesem Jahr gefühlt fast ein Drittel aller Apothekerinnen und Apotheker auf die Frage, ob sie noch einmal Pharmazie studieren und den Apothekerberuf ergreifen würden, mit einem klaren Nein antworteten.

Woran werden wir uns erinnern, wenn wir mit pharmazeutischem Blick auf 2012 schauen? Neben vielen anderen mit Sicherheit an die folgenden Punkte:

2012 trat die neue Apothekenbetriebsordnung nach fast zweijähriger Diskussion in Kraft – mit all ihren Unzulänglichkeiten und Interpretationslücken. Hätte sie besser werden können? Ja, liebes Tagebuch, sie hätte. Einerseits versucht sie die Beratung in den Apotheken zu stärken, die Qualitätsanforderungen bei betrieblichen Abläufen, auch im Bereich der Rezeptur und Defektur, auf ein hohes Niveau zu setzen, andererseits verdonnert sie die Apotheken zu mehr Bürokratie und lässt Augenmaß vermissen. Wir werden gespannt sein, liebes Tagebuch, wie Pharmazieräte und Juristen im kommenden Jahr die Bestimmungen auslegen werden.

2012 ist auch das Jahr der ersten Honorarverhandlung – seit 2004. Super, oder? Nein, eine kleine Katastrophe. Nur 25 Cent sollen es werden. Schluss, aus. Das war‘s dann wieder – für wie viele Jahre? Unterdessen werden erneut die Betriebskosten steigen, die Gehälter der Mitarbeiter nach oben gehen, Steuern und Versicherungskosten zulegen. Liebes Tagebuch, auch wenn es unsere Berufsvertretung nicht eingestehen will: Es gab massive Versäumnisse in der Strategie und in der Umsetzung apothekerlicher Interessen in den letzten Jahren. Ich habe jedenfalls bis heute noch keine plausible und zufriedenstellende Antwort auf die Frage gehört, warum unsere Berufsvertretung nicht schon 2008 alle Hebel in Bewegung gesetzt hat, um eine schon damals fällige Anpassung unseres Honorars in die Wege zu leiten. Das darf in Zukunft nicht mehr passieren. Wir kennen jetzt auch die Taktik der Politik, uns hinzuhalten, nämlich die Verlässlichkeit der vorgelegten wirtschaftlichen Zahlen der Apotheken in Fragen zu stellen. Auch hier sollte die Berufsvertretung schon heute beginnen, Gespräche zu führen, um Klarheit zu bekommen, von welcher Institution die Zahlen kommen sollen – für die nächsten Honorarverhandlungen in 2014 oder 2015.

2012 – in diesem Jahr haben die Apotheken das Versprechen der Politik erhalten, 120 Millionen Euro für den Nacht- und Notdienst zu erhalten. Bis heute ist nicht klar, wann das Geld fließt und wie es verteilt werden soll. Warum wurde von unserer Berufsvertretung bisher noch kein diskussionswürdiges Modell entwickelt, wie die Millionen zugeteilt werden sollen?

2012 – das Jahr des neuen Kassenzwangsrabatts? Daraus wurde nichts, liebes Tagebuch. Bis zum Jahresende ist nicht geklärt, welchen Rabatt die Apotheken dem Großkunden GKV ab 1. Januar 2013 gewähren müssen. Weiterhin 2,05 Euro? Oder den indiskutablen Interims-Vorschlag der Kassen, nämlich 1,90 Euro? Oder den vom Apothekerverbandschef ausgerufenen Abschlag von 1,75 Euro? Eine Einigung konnte bisher nicht erzielt werden, die Schiedsstelle ist nicht besetzt. Wie geht es jetzt weiter?

2012 war Wahljahr bei der ABDA. Überraschungen gab es nicht, es war vorher ausgemacht, wer was wird. Na, liebes Tagebuch, liest sich das irgendwie nach großer Einigkeit im Stand? Oder fehlt es nicht einfach auch am Nachwuchs, an Apothekerinnen und Apothekern, die bereit sind, sich und ihre Gedanken in der Berufspolitik einzubringen?  
Nicht zuletzt motiviert durch Diskussionsforen im Internet kristallisierten sich einige Namen heraus, die für frischen Wind in der ABDA sorgen wollen. Wie wär‘s, liebes Tagebuch, wenn sich der eine oder die andere aktiv in die Kammer- oder Verbandsarbeit einbringt?

2012 war auch das Jahr der großen Enthüllung. Endlich. Die Spionageaffäre sorgte für mächtig Wirbel. Ex-ABDA-Pressesprecher Bellartz soll einen IT-Mitarbeiter beim Bundesgesundheitsministerium dafür bezahlt haben, geheime und interne Daten zu liefern. Der Staatsanwalt ermittelt. Offen ist, wohin die Daten geflossen sind. Eine Möglichkeit: zum Online-Branchendienst, den sich der Ex-ABDA-Pressesprecher mit Billigung seines Arbeitgebers, der ABDA, nebenbei hatte aufbauen dürfen. Allein schon das ein Unding! Eine andere Möglichkeit: auch zur ABDA selbst. Wir mögen das nicht glauben, liebes Tagebuch. Der geduldete Filz zwischen ABDA und Nachrichtenportal war Gemauschel genug. Wir freuen uns auf die lückenlose Aufklärung in 2013.

Das Positive an dem Vorfall: Er löste eine längst überfällige Diskussion aus, wie es denn mit der Transparenz bei der ABDA bestellt ist. Und mit dem Konstrukt ABDA an sich. Frage: Ist es noch zeitgemäß, dass Ehrenamtliche versuchen, Politik zu machen?
Liebes Tagebuch, ganz klar: die Transparenz muss größer werden. Wesentlich größer! Der Druck muss von den Mitgliedern kommen. Sie müssen viel mehr Fragen stellen. Sie müssen von der ABDA Rechenschaft verlangen, was mit ihren Geldern passiert. Nur ein paar Beispiele: Welches Salär erhält beispielsweise ein Kammerpräsident, ein ABDA-Präsident für seine Tätigkeit? Wie teuer sind eigentlich bestimmte Aktionen wirklich (Öffentlichkeitsarbeit, Sponsoring, Teilnahme an Parteitagen, Teilnahme an Studien)? Was machen die Bauschäden am Apothekerhaus? Was wurde aus den Anträgen des letzten Apothekertags? Liebes Tagebuch, es gibt so viele Fragen!

Also, dann, auf ein transparentes 2013. Liebes Tagebuch, wir nehmen den neuen ABDA-Präsidenten beim Wort und hoffen auf seine Offenheit. Und freuen uns über das noch ausstehende und offene Abschiedswort des alten Präsidenten.
Auf ein gutes neues Jahr!


Peter Ditzel


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