Arzneimittel-Lieferengpässe

Herstellerverbände positionieren sich gemeinsam

Berlin - 18.12.2012, 14:11 Uhr


Seit Monaten geistert die Meldung durch die Medien: In Kliniken fehlten immer häufiger lebensnotwendige Zytostatika und Antibiotika. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft hatte im November ein Positionspapier mit Vorschlägen für Gegenmaßnahmen vorgelegt. Nun haben die Herstellerverbände reagiert: Nur Anbietervielfalt stelle die Arzneimittelsicherheit nachhaltig sicher.

Ein Monitoring der DKG zur Versorgungslage in rund 100 Kliniken hatte im November folgende Erkenntnisse gebracht: Arzneimittelengpässe treten für die Kliniken in 80 Prozent der Fälle plötzlich und ohne Vorabinformation der Arzneimittelhersteller auf. Die Folge: Patienten müssen umgestellt werden, 20 Prozent von ihnen auf therapeutisch nicht gleichwertige Alternativpräparate. Am häufigsten von Engpässen betroffen sind Zytostatika, Antibiotika und insgesamt Präparate zur intravenösen Gabe. In den beteiligten Kliniken bzw. Klinikapotheken hatten in nur einem Monat durchschnittlich 25 Arzneimittel nicht oder nicht ausreichend zur Verfügung gestanden. Da die meisten Kliniken etwa 400 bis 600 verschiedene Arzneimittel einsetzten, sei dies bereits eine relevante Größenordnung, heißt es im Positionspapier der DKG.

Die Herstellerverbände BAH, BPI, Pro Generika und vfa reagierten hierauf nun mit einem gemeinsamen Papier, das sie an die Mitglieder des Bundestags-Gesundheitsausschusses, die Gesundheitsminister der Länder sowie an das Bundesgesundheitsministerium verschickt haben. Darin betonen die Verbände, alle Hersteller seien „bestrebt, durch sorgfältig ausgewählte Zulieferer, zuverlässige Produktionsanlagen, Bedarfsabschätzungen und adäquate Produktionsplanung und Vorratshaltung Lieferschwierigkeiten zu vermeiden“. Dennoch gebe es diese Lieferschwierigkeiten. In den meisten Fällen stünden Alternativmedikamente anderer Hersteller zur Verfügung. Doch es gebe auch systematische Versorgungsengpässe für einen bestimmten Wirkstoff – und diese könnten problematisch werden. Ihre Ursachen seien vielfältig: Beispielsweise Probleme eines Zulieferers von Wirk- oder Hilfsstoffen oder der Ausfall einer Produktionsanlage. Aber auch der zunehmende Kostendruck im Arzneimittelbereich, „der die Hersteller zur Nutzung aller Möglichkeiten der Effizienzsteigerung bei der Herstellung von Wirk- und Hilfsstoffen sowie von Arzneimitteln zwingt“ könne dahinter stecken. Dieser Kostendruck, so heißt es im Schreiben der Verbände, führe auch zu einer Konzentration auf wenige Hersteller und zur Produktion an preisgünstigen Standorten vielfach in Drittstaaten außerhalb der EU.

Schon im eigenen Interesse seien die betoffenen Firmen aktiv, diese Ursachen anzugehen. Eine singuläre Maßnahme, mit der sich alle Schwierigkeiten pauschal überwinden oder künftig verhindern ließen, gebe es jedoch nicht. Eine gesetzliche Pflicht zur Vorratshaltung, wie sie etwa die DKG vorschlägt, sehen die Verbände kritisch. Sie könne die Versorgungssituation im Ergebnis sogar verschlechtern. Denn in Zeiten ständig sinkender Arzneimittelpreise durch staatliche Eingriffe und Rabattverträge könnten den Herstellern nicht immer neue kostenträchtige Pflichten auferlegt werden, warnen die Verbände. Weiterer Kostendruck führe zu Marktrücknahmen, weil vor allem komplex herzustellende Produkte nicht mehr kostendeckend produziert werden könnten – verlustig gehe damit auch die für die sichere Versorgung dringend nötige Anbietervielfalt.

Abschließend betonen die Verbände, sie wollten sich an der Diskussion beteiligen, mit welchen kurz- und längerfristigen Maßnahmen die Versorgungssicherheit künftig weiter verbessert werden könne. Hierzu biete die Industrie an, „den Dialog mit dem Verband der Krankenhausapotheker (ADKA) fortzusetzen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen“. 


Kirsten Sucker-Sket


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