Grippeimpfstoff-Versorgung

ProGenerika ermahnt Kassen

Berlin - 07.12.2012, 11:26 Uhr


Nachdem trotz des diesjährigen Grippeimpfstoffchaos bereits die ersten Krankenkassen wieder Rabattverträge über Grippeimpfstoffe ausgeschrieben haben, appelliert nun auch der Branchenverband ProGenerika an die Kassen, Konsequenzen zu ziehen.

Die Engpässe in diesem Jahr, die durch Lieferprobleme eines großen Vertragspartners entstanden seien, hätten gezeigt, dass Rabattverträge zum Versorgungsproblem werden können. Er kritisiert, dass dies offenbar dennoch nicht zu einem Meinungswechsel bei den Kassen geführt habe. Sowohl die Barmer-GEK – federführend für die Krankenkassen in Sachsen-Anhalt – als auch die AOK Plus schrieben bereits neue Rabattverträge für die kommende Grippe-Saison aus. In Baden-Württemberg erteilte die AOK bereits im Auftrag aller gesetzlicher Krankenkassen Zuschläge für die nächsten zwei Jahre.

Aufforderungen verschiedener Akteure des Gesundheitssystems brachten die Kassen jedoch nicht von ihrem Vorhaben ab. Dabei handelt es sich bei Impfstoffen um „komplexe biologische Produkte“, konstatiert Bretthauer. Er verweist auf die besonderen Schwierigkeiten: Wegen der besonderen Herstellungsbedingungen seien Hersteller bei Produktionsverzögerungen oder Ausfällen nicht in der Lage, fehlende Impfstoffdosen „auf die Schnelle“ zu produzieren. Da es sich beim Schutz gegen Grippe um einen saisonalen Impfstoff handle, der jedes Jahr nach den Empfehlungen der WHO neu hergestellt werden müsse, seien zudem keinerlei Lagerbestände verfügbar.

Sollten die Krankenkassen anderer Bundesländer dem Beispiel von AOK, Barmer-GEK und AOK Plus folgen, wird sich die Gefahr der Unterversorgung nach Auffassung Bretthauers noch weiter verstärken. Denn je mehr Gebiete durch Rabattverträge geregelt seien, desto störanfälliger werde die Versorgung der Versicherten. Sein Appell daher: „Spätestens bei komplexen biologischen Arzneimitteln haben Rabattverträge ihre Grenzen erreicht.“ Nachhaltigen Wettbewerb und Versorgungssicherheit gebe es nur bei einer Vielfalt der Anbieter.

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Juliane Ziegler


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