Novartis Kolloquium Gesundheitsökonomie

Viele Hürden und etwas Optimismus

Berlin - 30.11.2012, 11:33 Uhr


Beim 10. Novartis-Kolloquium zur Gesundheitsökonomie gestern in Berlin ging es um die frühe Nutzenbewertung für neue Arzneimittel. Probleme mit dem großen Aufwand und den Optionen bei Preisverhandlungen, aber auch Hoffnung auf künftige konstruktive Lösungen waren die Hauptaspekte im Vortrag von Dr. Andreas Kress von Novartis, der die Sicht der forschenden Industrie beschrieb.

Kress schilderte den enormen Aufwand für die Erstellung der geforderten Nutzendossiers. Für die Bewertung eines Arzneimittels im Bestandsmarkt müssten nun sogar alte Studien übersetzt werden, obwohl diese voraussichtlich für die Bewertung nicht relevant würden. Immerhin habe es dazu einen Kompromiss mit dem Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) gegeben. Ein Problem für die Preisverhandlungen sei, dass der Hersteller beim Scheitern der Verhandlungen das Arzneimittel nur vom Markt nehmen könne. Dies sei eine schlechte Verhandlungsposition. Kress beklagte, dass der Preis bei der Wahl der Vergleichstherapie im Vordergrund stehe. So würden Vergleichsarzneimittel gewählt, die für Studienzentren vielfach uninteressant seien. Es sei sehr schwer, solche Fragestellungen in ein internationales Forschungsprogramm einzubringen, besonders wenn der G-BA keine verbindliche Zusage über die Anerkennung des Komparators gebe. Wünschenswert seien Kompromisse mit dem G-BA besonders, wenn die idealerweise nötigen Studien praktisch nicht durchführbar sind. Kress zeigte sich durchaus optimistisch, dass solche Lösungen künftig gefunden würden. „Wir sollten sehen, ob man mit weniger Aufwand ein gleich gutes Ergebnis erzielt“, so Kress.

Im Rahmen der Veranstaltung berichtete der Moderator Wolfgang van den Bergh, Ärztezeitung, auch über Positionen des G-BA-Vorsitzenden Josef Hecken berichtet. Bei einer anderen Veranstaltung am Vortag habe Hecken eingeräumt, dass die Wahl der zweckmäßigen Vergleichstherapie weiter problematisch sei, doch werde sich dies im Laufe einiger Jahre erübrigen, weil dann die jetzt bewerteten Arzneimittel bereits als Komparatoren dienen könnten. Außerdem habe Hecken auf die Bedeutung der Überprüfung des Bestandsmarktes hingewiesen, die aus wettbewerblicher Sicht wichtig sei.

Einen Beitrag über die weiteren beim Novartis-Kolloquium aufgezeigten Perspektiven der frühen Nutzenbewertung finden Sie demnächst in der DAZ.


Dr. Thomas Müller-Bohn


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