Arzneimittelnebenwirkungen

Liese ruft Patienten zur Meldung auf

Brüssel - 29.11.2012, 16:00 Uhr


Um Nebenwirkungen besser zu erfassen und schnellstmöglich Konsequenzen zu ziehen, können Verbraucher und Patienten seit Oktober selbst Verdachtsfälle an das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte und das Paul-Ehrlich-Institut melden. Der gesundheitspolitische Sprecher der Christdemokraten im EU-Parlament, Peter Liese, fordert Patienten nun auf, das Angebot auch zu nutzen.

Bisher sei die Meldung von Nebenwirkungen in ganz Europa nur über Pharmafirmen, Ärzte und Apotheker möglich gewesen. Leider seien bisher aber nicht alle Informationen bei den Behörden eingegangen, so der Christdemokrat – beispielsweise weil Ärzte im Arbeitsalltag überlastet waren. „Es ist auch nicht auszuschließen, dass Pharmafirmen Nebenwirkungen nicht eins zu eins weitergeleitet haben.“ Und für Patienten sei es oft sehr mühsam, nur wegen einer Nebenwirkung den Arzt aufzusuchen. „Daher begrüße ich diesen neuen Weg sehr“, betont Liese.

Aufgrund neuer gesetzlicher Vorgaben zur Pharmakovigilanz auf europäischer Ebene können Patienten Nebenwirkungen neuerdings aber auch direkt an die zuständigen Behörden melden: über ein Internetportal (https://verbraucher-uaw.pei.de) oder per Post bzw. Telefon (Stichwort: Pharmakovigilanz, Kurt-Georg-Kiesinger-Allee 3, D-53175 Bonn, Tel.: 0228-99-307-30). PEI und BfArM bewerten die eingegangenen Informationen, leiten sie entsprechend weiter und ziehen gegebenenfalls Konsequenzen. So könnten Indikationen eingeschränkt, der Beipackzettel geändert oder im schlimmsten Fall das Medikament vom Markt genommen werden, erklärt der Europaabgeordnete.

Für ihn steht fest: „Es ist wichtig, dass wir Patienten aktiv in die Arzneimittelpolitik einbeziehen und ihnen die Mitarbeit erleichtern.“ Darüber hinaus kündigte er die Möglichkeit an, über ein Portal Beipackzettel zu Arzneimitteln in allen Sprachen, die in der Europäischen Union gesprochen werden, herunterzuladen. So könne man auch im Spanienurlaub die deutsche Version des Beipackzettels zum verschriebenen Arzneimittel im Internet abrufen. Liese zufolge soll die Neuerung bereits in den nächsten Wochen in Deutschland umgesetzt werden.


Juliane Ziegler