Grippeimpfstoffe

Thüringer Apotheker: Auf Ausschreibungen verzichten

Erfurt - 20.11.2012, 14:35 Uhr


Während in weiten Teilen der Republik in diesem Herbst die Grippeimpfstoffe knapp sind, läuft die Versorgung in Thüringen bislang reibungslos. Dennoch appellieren nun auch die Thüringer Apotheker dafür, in diesem Bereich künftig auf Ausschreibungen und den Abschluss von Rabattverträgen zu verzichten. Auf Kassenseite sieht man dies anders.

In der Vergangenheit lief in Deutschland die Grippeimpfstoff-Versorgung durch verschiedene Hersteller ohne große Probleme - sieht man davon ab, dass die Krankenkassen zu hohe Preise beklagten. Doch in diesem Jahr hat sich dies bekanntlich geändert. In vielen Bundesländern war die Versorgung mit Grippeimpfstoffen erstmals ausgeschrieben worden. In der Folge waren die Vakzine vor allem in Norddeutschland und Bayern Mangelware, da der Ausschreibungsgewinner Novartis Vaccines mit seinem Standardimpfstoff Begripal ohne Kanüle ausgefallen ist. Die Ursachen hierfür müssten rückhaltlos aufgeklärt werden, fordert nun auch die Landesapothekerkammer Thüringen. Es sei sicherzustellen, dass diese Schwierigkeiten in den kommenden Jahren nicht wieder auftreten.

Kammerpräsident Ronald Schreiber muss sich zwar nicht mit ausgefallenen Rabattpartnern der Kassen plagen – Grund hierfür sei nicht zuletzt das „Engagement des Thüringer Apothekerverbandes in den Verhandlungen mit den Krankenkassen“. Er ist sich aber wohl bewusst, dass es auch die Thüringer Apotheken hätte treffen können: Es sei „auch ein wenig Glück mit im Spiel gewesen, denn der Arzneimittelhersteller, dessen Impfstoffe zumindest zeitweise nicht zur Verfügung standen, liefert sonst auch in den Freistaat aus“, so Schreiber.

Für problematisch hält er – wie auch viele andere Apotheker – in erster Linie die Rabattverträge über Grippeimpfstoffe. Grundsätzlich verschließe man sich nicht dem Argument der Krankenkassen, Rabattverträge seien ein wirksames Instrument, um die Kosten für die Arzneimittelversorgung zu reduzieren. „Im Gegenteil, die Thüringer Apotheken sind zuverlässige Partner bei deren Umsetzung“, so Schreiber. Allerdings dürfe dies nicht zu Lasten der vollumfänglichen Versorgung gehen – denn gerade bei der Grippe könne ein unzureichender Schutz fatale Folgen haben.

Die Barmer GEK ist indessen sehr zufrieden mit ihren Rabattverträgen für Sachsen und Thüringen – aber auch hier räumt man ein, dass ein gewisses Quäntchen Glück mit im Spiel war. Zwar konnte die Kasse die Zuschläge für die laufende Saison erst recht spät, nämlich am 19. September, erteilen. Doch wer sich vorher impfen lassen wollte, konnte ohne Probleme auf Impfstoffe anderer Hersteller zurückgreifen. Grund für den späten Zuschlag war ein Nachprüfungsverfahren eines Herstellers, der einen Impfstoff anbietet, der für Impfpatienten ab 5 Jahren zugelassen ist und damit nicht die Ausschreibungskriterien erfüllte. Die Vergabekammer des Bundes wies den Nachprüfungsantrag jedoch zurück.

Angesichts der Lieferengpässe in anderen Regionen musste auch die Barmer GEK ein waches Auge darauf halten, dass keine Impfstoffe ihrer Rabattpartner, die in Sachsen und Thüringen gebraucht wurden, in andere Bundesländer abwanderten. Doch die Zusammenarbeit mit den Herstellern, den Ärzten und Apotheken lief hier offenkundig gut. Die Ärzte waren angehalten, nur für vier Wochen im Voraus zu verordnen, um die Mengen gering zu halten und Verwürfe zu vermeiden. In der vergangenen Saison blieben in Thüringen rund 80.000 Impfdosen auf der Strecke – gerade in einer Situation, da es regional an Vakzinen mangelt, ist ein solcher Verwurf nicht zu rechtfertigen.

Mittlerweile steckt die Kasse bereits mitten im nächsten Vergabeverfahren für Grippeimpfstoffe – diesmal geht es um Verträge über zwei Jahre. Allerdings nicht in Thüringen und Sachsen, sondern in Sachsen-Anhalt. An den Ausschreibungen will die Barmer GEK keinesfalls rütteln. Das Gesetz sehe Rabattverträge für Impfstoffe für Schutzimpfungen nun einmal vor, so der zuständige Abteilungsleiter der Barmer GEK. Und diese Möglichkeit müsse eine Kasse für ihre Versicherten nutzen. Schließlich seien die Impfstoffpreise in Deutschland jahrelang die höchsten in der EU gewesen. Nun freut man sich, dass der Gesetzgeber gleich zwei Sparinstrumente geschaffen hat: den europäischen Durchschnittspreis und die Rabattverträge, die ersteren natürlich nochmals unterbieten.


Kirsten Sucker-Sket


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