Angebot für AXA- und Gothaer-Versicherte

Arzneimittel-Check beim Hausarzt

Berlin - 30.08.2012, 15:17 Uhr


Ganz ohne Pharmazeuten: Die privaten Krankenversicherer AXA und Gothaer wollen ihren Vollversicherten ab September bundesweit Arzneimittel-Checks beim Hausarzt anbieten. So soll die hausärztliche Versorgung optimiert werden.

Besonders Menschen über 65 Jahre nehmen häufig dauerhaft mehrere verschreibungspflichtige Arzneimittel ein, erklärt die Kooperation ihr Angebot. Ein zentraler Überblick über die Gesamtmedikation helfe, „Wechselwirkungen zu vermeiden und Kosten zu senken“. Denn teilnehmende Hausärzte könnten im Gespräch mit Patienten nicht nur die Gesamtmedikation optimieren, sondern auch zu „wirkungsgleichen, aber kostengünstigeren Medikamenten“ beraten.

Weil nicht nur Hausärzte in der Region Nordrhein großes Interesse an der Kooperation hatten, soll das Projekt nun ausgeweitet werden, erklärt AXA-Vorstand Thomas Michels. Ab September können sich daher bundesweit alle Hausarztpraxen an der Kooperation beteiligen und die Beratungsleistungen „Arzneimittel-Check“ und „Pharmaberatung“ anbieten. Eberhard Mehl, Vorstandsvorsitzender der HÄVG ergänzt: „Wir sind mit der Kooperation auf dem richtigen Weg zu einer qualitativ hochwertigen Patientenversorgung.“ Das Kooperationsmodell sei ein Mehrwert für alle Beteiligten.

In den Informationsunterlagen zur Teilnahme findet sich der Hinweis, der Arzneimittel-Check richte sich an „Patienten mit dauerhafter langfristiger Einnahme von mindestens sechs verschreibungspflichtigen Medikamenten, Schmerzpatienten oder Patienten, bei denen Sie diese Maßnahme für sinnvoll erachten“. Ein solcher Check kann danach jährlich durchgeführt werden und bringt dem Hausarzt pro Patient 87,73 Euro pro Jahr. Die „Pharmaberatung“ – bei der es darum geht, zu überprüfen, inwieweit die Umstellung auf günstigere Präparate des gleichen Wirkstoffes bzw. der gleichen Wirkstoffgruppe möglich ist – dürfen Hausärzte mit 26,22 Euro pro Patient und Jahr abrechnen. Sie kann halbjährlich durchgeführt werden.

Die Frage, Pharmazeuten in die Überprüfung und Beratung von Polymedikation einzubeziehen, war während der gesamten Zeit, in der das Pilotprojekt vorbereitet und durchgeführt wurde, kein Thema. Das Projekt solle jedenfalls „nicht zum Schaden von jemandem“ sein, heißt es vonseiten des Hausärzteverbandes. Letztlich handle es sich um „Kompetenzen, die Ärzte auch haben“, und so könnten alle Informationen an einer Stelle zusammenlaufen. Auch bei der Gothaer teilt ein Sprecher mit, es sei nie geplant gewesen, Apotheker mit einzubeziehen – „das war so schon kompliziert genug“.


Juliane Ziegler


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